Benachteiligtenförderung

Definition / Erläuterung

Benachteiligtenförderung bezeichnet Förderangebote für junge Menschen, die im Übergang von der Schule in den Beruf, im Wettbewerb um Ausbildungsplätze, um Existenzsicherung, um Lebenschancen und Entwicklungsperspektiven benachteiligt sind. Angesiedelt sind die Bildungs-, Qualifizierungs- und Förderangebote im Schnittbereich von Arbeitsmarkt, Bildung und Jugendhilfe. Die Maßnahmen werden öffentlich finanziert und z. T. durch Auftragnehmer (bspw. Bildungsträger) umgesetzt. Sie sind durch unterschiedliche gesetzliche Grundlagen (Schulgesetze, Arbeitsförderung, Jugendhilfe) geregelt.

Benachteiligtenförderung hieß zunächst das Konzept der "sozialpädagogisch orientierten Berufsausbildung", das der Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE) und den ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) zugrunde liegt. Hier arbeiten Ausbilder/innen, Stützlehrer/innen und sozialpädagogische Fachkräfte im Team zusammen, das Konzept verbindet sozial- und berufspädagogische Denk- und Handlungsansätze sowie allgemein bildende Inhalte.

Heute wird der Begriff erweitert; das Handlungsfeld der Benachteiligtenförderung umfasst das gesamte Spektrum der Angebote, die sich an Jugendliche mit Förderbedarf wenden: Berufsorientierung, Berufsvorbereitung, Berufsausbildung, berufliche Nachqualifizierung.

In der Entwicklung der Benachteiligtenförderung hat sich der Blick zunächst mehr auf die einzelne Person und ihre individuellen "Benachteiligungen" gerichtet. Dieser Defizitansatz wird seit einiger Zeit von einem Blick auf die vorhandenen Kompetenzen abgelöst. Konzeptionell stehen Möglichkeiten im Vordergrund, diese Kompetenzen gezielt individuell zu fördern. Gleichzeitig rücken strukturelle Probleme als Ursachen von Benachteiligung stärker in den Blick.

Die geförderten Zielgruppen variieren je nach gesetzlicher Grundlage bzw. entsprechend der Förderrichtlinien der jeweiligen Regelangebote sowie Modellprogramme. Nach wie vor setzen viele Programme für eine Förderung die Feststellung individueller Benachteiligungen voraus, z. B. eine soziale Benachteiligung, keinen Hauptschulabschluss oder einen Migrationshintergrund. Andere Angebote, insbesondere in der Berufsorientierung, wenden sich an ein breiteres Spektrum von Zielgruppen (Hauptschülerinnen und Hauptschüler) oder präventiv an alle Jugendlichen.
 
Über die subjektive Fördernotwendigkeit einzelner junger Menschen hinaus wird die Entwicklung der Teilnehmerzahlen in der Benachteiligtenförderung beeinflusst durch das jeweilige Angebot an Ausbildungsplätzen der (dualen) Berufsausbildung, durch die Anzahl der Absolventinnen und Absolventen der allgemein bildenden Schule sowie durch den unterschiedlichen Einsatz von Fördermitteln. So wurde insbesondere nach der Wiedervereinigung neben den "originär Benachteiligten" eine große Gruppe von sogenannten "Marktbenachteiligten" gefördert.

Der Begriff Benachteiligtenförderung steht aufgrund seiner selektiven und stigmatisierenden Wirkung in der Kritik und wird z. T. durch andere wie die "berufliche Integrationsförderung" abgelöst.

Basis-Informationen

Grundlagenwissen:

Historie der Benachteiligtenförderung:

Stand und Weiterentwicklung der Benachteiligtenförderung:

BIBB-Hauptausschuss:

Literatur

GPC-Expertisen

Tagungsdokumentationen

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Letzte Änderung: 03/09/2016 eMail-direkt »       Seite empfehlen »

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Erstellt am: Monday, 10 September 2007 Kommentare hinzufügen »