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  GPC - NEWSLETTER 98 # GPC - NEWSLETTER 98 # GPC - NEWS

    Ausgabe 98, 14.07.2010

Zahl der Leserinnen und Leser: 6.292

  Der GPC-Newsletter wird herausgegeben vom
    Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
      Good Practice Center zur Förderung von Benachteiligten

  Ihre Rückmeldung senden Sie bitte an: gpc@bibb.de

   http://www.good-practice.bibb.de

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THEMA DES MONATS
+ Potenzialanalyse - neues Förderinstrument des BMBF

NEUES AUS DER BENACHTEILIGTENFÖRDERUNG
+ "Integrationsrendite" - Gewinn für alle Beteiligten
+ Private Altersvorsorge bei vielen Jugendlichen kein Thema
+ Projekt "Nachhaltige Schülerfirmen"
+ IHK-Unternehmensbefragung Ausbildung 2010
+ Auszubildende starten zunehmend später in die Lehre

NEUES AUS DEM GPC
+ Kunstausstellung "Stark gemalt - Kreative Schritte ins Berufsleben"
+ Personeller Wechsel im GPC-Team
+ Aktuelle Datenbank-Einträge

NEUES VON LÄNDERAKTIV
+ Regelangebot "Rahmenkonzept für die Reform des Übergangssystems Schule - Beruf", Hamburg

NEUES AUS DEM BIBB
+ Ausländische Jugendliche bei der Ausbildungsbeteiligung unterrepräsentiert
+ Wettbewerb "My Ausbildung Plus"
+ KAUSA-Medienpreis "Bildungswege von Migranten" ausgeschrieben

BLICK ÜBER DIE GRENZEN
+ Modernisierung der Berufsbildung in Europa
+ Höheres Armutsrisiko bei Geringqualifizierten
+ Arbeitsmarktpolitik europäischer Großstädte im Vergleich
+ Schweiz: Erfolg der beruflichen Grundbildung wird untersucht

AKTUELLE VERANSTALTUNGEN

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THEMA DES MONATS

+ Potenzialanalyse - neues Förderinstrument des BMBF

Am  neu eingeführten Förderinstrument des BMBF, der Potenzialanalyse, scheiden sich die Geister: "Müssen sich jetzt schon 13-Jährige für einen Beruf entscheiden?" klagen die einen. "Wo bleibt denn da der Berufsbezug?" fragen die anderen.

Die Potenzialanalyse wird vom BMBF verstanden als eine frühe Form der Kompetenzfeststellung, die der Berufswahl vorgelagert ist. Sie wendet sich an Jugendliche ab der 7. Klasse - also an junge Menschen, die noch wenige Vorstellungen von sich selbst, von ihren Stärken oder gar (realistischen) beruflichen Plänen haben. Potenziale, damit sind die "verborgenen Schätze" gemeint, die in ihnen schlummern und aus denen sich ihre persönlichen Stärken entwickeln können.
 
Die Potenzialanalyse soll den Jugendlichen Gelegenheit bieten, ihre eigenen Kompetenzen, Interessen und Neigungen kennen zu lernen. Dies ist besonders wichtig für diejenigen Jugendlichen, die in der Schule bisher auf wenig Erfolge zurückblicken und/oder die als Pubertierende eine Zeit voller Umbrüche, Abgrenzungen und Selbstzweifel durchlaufen. Die Schülerinnen und Schüler sollen befähigt werden, sich mit sich selbst und immer wieder neuen Anforderungen auseinanderzusetzen.
 
Außerhalb von Schule - mit anderen Personen absolvieren die Teilnehmenden an zwei bis drei Tagen handlungsorientierte Aufträge und arbeiten zusätzlich an ihrer eigenen Biografie. Sie werden dabei im Hinblick auf ihre personalen, sozialen und methodischen Kompetenzen beobachtet - auf Schlüsselkompetenzen, die sie schon jetzt in der Schule, in der Freizeit und im Alltag und später im Beruf brauchen. Jeder Schüler und jede Schülerin erhält eine individuelle Rückmeldung  darüber, welche Potenziale und Interessen zu erkennen sind und wie diese weiter entwickelt werden können.
 
Das Instrument ist angebunden an das Berufsorientierungsprogramm (BOP) des BMBF. Es kann in den Einrichtungen durchgeführt werden, die in der 8. Klasse BOP anbieten oder in Kooperation mit anderen Trägern, die die notwendigen Qualifikationen (zum Beispiel eine Beobachterschulung) mitbringen.

Dahinter steckt die Idee, Einzelinstrumente zu Bildungsketten zusammenzuführen, die logisch aufeinander aufbauen. Und hier ergibt sich die Antwort auf die Ausgangsfragen: Die Potenzialanalyse stellt das erste Kettenglied dar, in dem es noch nicht um die Berufswahl geht. Sie ist konzeptionell verbunden mit Bestandteilen der Kette, die konkreter zu Berufen hinführen.

Handreichung zur Durchführung von Potenzialanalysen im Berufsorientierungsprogramm (BOP) des BMBF (PDF, 390 KB)

Qualitätsstandards zur Durchführung von Potenzialanalysen in Programmen zur Berufsorientierung des BMBF (PDF, 305 KB)

Förderrichtlinien der Berufsorientierung in überbetrieblichen und vergleichbaren Berufsbildungsstätten:
www.bmbf.de/foerderungen/14908.php


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NEUES AUS DER BENACHTEILIGTENFÖRDERUNG

+ "Integrationsrendite" - Gewinn für alle Beteiligten

Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln hat die volkswirtschaftlichen Effekte einer besseren Integration von Migrantinnen und Migranten berechnet. Demnach könne sich das jährliche Wachstum des Bruttoinlandsproduktes um 0,1 Prozent erhöhen, wenn sich die Unterschiede bei Menschen mit und ohne Migrationshintergrund bei formalen Bildungsabschlüssen, der Arbeitslosenquote und den schulischen Kompetenzen zumindest halbieren würde.

Bereits im Jahr 2020 würden die jährlichen Zusatzeinnahmen 5,9 Milliarden Euro betragen, 2030 knapp 15 Milliarden Euro und 2040 bereits knapp 26 Milliarden Euro. Für diese Summe müsse der Staat aber auch etwas tun und in bessere Rahmenbedingungen im Bildungssystem investieren. Die Logik dahinter: Wer gut ausgebildet ist, findet besser einen Job, hat höhere Karrierechancen und ein geringeres Armutsrisiko. Davon würde die gesamte Volkswirtschaft profitieren.

Der Staat bekäme seine Investitionen je nach Effizienz der eingeführten Maßnahmen sogar mit einer Verzinsung zwischen sechs und neun Prozent zurück - in Form von höheren Steuern und niedrigeren Sozialausgaben.

Studie "Integrationsrendite - Volkswirtschaftliche Effekte einer besseren Integration von Migranten" (PDF, 977 KB)


+ Private Altersvorsorge bei vielen Jugendlichen kein Thema

Die Studie "Jugend, Vorsorge, Finanzen - Herausforderung oder Überforderung?" belegt, dass die Reformen der letzten Jahre zur Alterssicherung durch mehr Eigenbeteiligung nicht bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen angekommen sind. Laut Jugendforscher Klaus Hurrelmann steuert diese Personengruppe ungewollt auf die Altersarmut zu. Sie seien zwar zur Zukunftssicherung bereit, verstünden aber die komplizierten Regelungen nicht.

Nur rund 15 Prozent der jungen Leute sicherten sich einigermaßen ab. Und das seien meist diejenigen, die sowieso über eine abgeschlossene Ausbildung verfügten und den Schritt in Berufsleben erfolgreich absolviert hätten.

Es sei bemerkenswert, dass die Finanzkrise bei den benachteiligten Gruppen sowohl Anstöße zur stärkeren Beschäftigung mit Fragen der Altersvorsorge als auch vermehrt resignativ-hedonistische Tendenzen ausgelöst hat. Nach dem Motto: Die Krise hat mir gezeigt, dass es wenig Sinn hat, langfristig vorzusorgen. Lieber stecke ich mein Geld in den Konsum und ein gutes Leben. Dieser Resignation auslösende Einfluss der Finanzmarkt-Krise sei für die die Problemgruppen sogar spezifischer als die Aktivierung für Fragen der Altersvorsorge.

Laut Hurrelmann lasse die Basiskompetenz, komplizierte Transaktionen und damit auch finanzielle Absicherungen im Laufe des Lebens richtig einzuschätzen, zu wünschen übrig. Wenn die jungen Leute selbst nichts an dieser Situation ändern würden oder ändern können, sei es auch eine staatlich-politische Aufgabe, hier einzugreifen.

Metall-Rente-Studie "Jugend, Vorsorge, Finanzen - Herausforderung oder Überforderung?":
www.metallrente.de/DE/Studie_2010/index.php

Interview mit dem wissenschaftlichen Leiter der Studie Prof. Dr. Klaus Hurrelmann in der Süddeutschen Zeitung:
www.sueddeutsche.de/geld/klaus-hurrelmann-im-gespraech-es-gibt-ein-finanzielles-analphabetentum-1.957650


+ Projekt "Nachhaltige Schülerfirmen"

In "Nachhaltigen Schülerfirmen" können Schülerinnen und Schüler erfolgreiches Wirtschaften unter Berücksichtigung ökologischer Verträglichkeit und sozialer Gerechtigkeit lernen. Um die innovative Schulstruktur bekannter zu machen, führt die FU Berlin eine Multiplikatorenschulung durch.

Bundesweit können bis zu 100 interessierte Lehrkräfte und weitere Akteure aus der Umweltbildung teilnehmen. Die 18-monatige Schulung wird berufsbegleitend durchgeführt und von den Kultusministerien unterstützt.
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt mit rund 350.000 Euro. Interessenten können sich ab sofort bei der FU Berlin unter Telefon 030-83855085 oder per Mail unter plesse@transfer-21.de melden.

Laut der FU Berlin ist es ein besonderes Merkmal von Schülerfirmen, dass auch lernschwächere Schülerinnen und Schüler ihre persönlichen Stärken jenseits des normalen Unterrichts einbringen können. So würden auch Zielgruppen angesprochen, die beim Thema Nachhaltigkeit durch gängige Bildungsmaßnahmen kaum erreicht werden.

Institut Futur der FU Berlin


+ IHK-Unternehmensbefragung Ausbildung 2010

Der DIHK hat über 15.000 Unternehmen zu ihren Ausbildungsplänen und -motiven befragt. Demnach schwächen sich die Auswirkungen der Krise auf das Ausbildungsangebot allmählich ab. 15 Prozent der Unternehmen wollen mehr ausbilden, 25 Prozent weniger, 60 Prozent halten ihr Ausbildungsangebot aufrecht.

Rund 50.000 Ausbildungsplätze blieben im Jahr 2009 unbesetzt, überwiegend aufgrund fehlender geeigneter Bewerbungen. Die Firmen beklagten vor allem unzureichende schulische Qualifikationen und persönliche Kompetenzen bei den Ausbildungsplatzbewerberinnen und -bewerbern.

Deutlich mehr als die Hälfte aller Ausbildungsbetriebe, die eine mangelnde Ausbildungsreife bei den Schulabgängern erkennen, organisiert in irgendeiner Form Nachhilfe im Unternehmen. Auch die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) der Arbeitsagenturen werden von 31 Prozent der Betriebe rege genutzt.

www.dihk.de/inhalt/download/ausbildungsumfrage_10.pdf (PDF, 277 KB)


+ Auszubildende starten zunehmend später in die Lehre

Die Bildungspolitik arbeitet seit langem daran, das Durchschnittsalter der Absolventinnen und Absolventinnen zu senken. Bei den Studierenden ist dies im Zuge der Bachelor- und Master-Reform auch gelungen. Hingegen starten Auszubildende im dualen System immer später in die Lehre.

Im Jahr 2008 waren sie bei Ausbildungsbeginn im Schnitt 19,5 Jahre alt, 1993 waren sie noch ein ganzes Jahr jünger.

Am ältesten sind derzeit die Mediengestalter für Digital- und Printmedien, die ihre Ausbildung mit durchschnittlich 22,7 Jahren beginnen. Die jüngsten Azubis gibt es im Karosserie- und Fahrzeugbau. Bei den meistbesetzten Ausbildungsberufen sind die angehenden Maschinenbauer am jüngsten und die Groß- und Einzelhandelskaufleute, die mit gut 20 Jahren ihre Ausbildung aufnehmen, am ältesten.

Institut der deutschen Wirtschaft: "Absolventen - Meist schon recht reif" 

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NEUES AUS DEM GPC

+ Kunstausstellung "Stark gemalt - Kreative Schritte ins Berufsleben"

Eine Kunstausstellung im BIBB - das war Neuland für das Bundesinstitut, und in diesem Fall stammten die Kunstwerke auch noch von benachteiligten Jugendlichen, die im Rahmen von Aktivierungshilfen in einer Malwerkstatt tätig sind.

Die Aktivierungshilfen des Kreisverbandes "lernen fördern Rhein-Sieg" setzen im Vorfeld von Ausbildung, Qualifizierung und Beschäftigung an und sollen bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Motivation und Selbstvertrauen fördern sowie die berufliche und persönliche Orientierung unterstützen. Gleichzeitig können sich die jungen Menschen im Umgang mit verschiedenen Materialien praktische Grundfertigkeiten mit den jeweiligen Werkzeugen aneignen, die bei einer anschließenden Berufsausbildung hilfreich sind.

Für die jungen Menschen war diese Ausstellung eine der bisher seltenen Möglichkeiten in ihrem Leben, Anerkennung ihrer Leistung und Erfolg zu verspüren. So haben die Jugendlichen nicht nur starke Bilder angefertigt, sondern sich auch selbst innerlich stark gemacht.

Zur Ausstellungseröffnung im Foyer des Bundesinstituts kamen rund 100 Besucherinnen und Besucher. Alle zeigten sich begeistert von der hohen Qualität der gezeigten Bilder.

GPC-Bericht über die Ausstellungseröffnung:
www.good-practice.de/infoangebote_beitrag4063.php


+ Personeller Wechsel im GPC-Team

 Dr. Ursula Bylinski hat das GPC-Team verlassen und andere Aufgaben im Bundesinstitut für Berufsbildung übernommen. Zukünftig steht Ihnen als Ansprechpartnerin für das GPC Dr. Petra Lippegaus-Grünau zur Verfügung.

www.good-practice.de/lippegaus.php


+ Aktuelle Datenbank-Einträge

Zu den Datenbanken des GPC:
www.good-practice.de/datenbanken.php


> Materialiendatenbank (475 Einträge)

NEU: Praxishilfe "Zielführende Kooperationen in Netzwerken", INBAS GmbH 
 

NEU: "Konzeption der Jugendsozialarbeit an Schulen für Nürnberg", Stadt Nürnberg

Stellen auch Sie Ihre Materialien den Kolleginnen und Kollegen in der
Praxis zur Verfügung! Kontakt: Michael Gräf, 0228-1071304

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NEUES VON LÄNDERAKTIV

+ Regelangebot "Rahmenkonzept für die Reform des Übergangssystems Schule - Beruf", Hamburg

Ziel des Reformkonzepts ist der Aufbau eines Übergangssystems Schule - Beruf, das die Bildungsabschnitte zwischen der Sekundarstufe I der allgemeinbildenden Schule und der Aufnahme einer Berufsausbildung, eines Studiums oder einer Erwerbstätigkeit umfasst. Es beinhaltet die Berufsorientierung, die Ausbildungsvorbereitung und die Übergangsbegleitung in Ausbildung, Studium oder Arbeit.

Die Bildungsbeteiligung für alle Jugendlichen soll unabhängig von der sozialen und ethnischen Herkunft erhöht werden. Lernerfolge und Ausbildungsreife sollen verbessert werden. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, die eigene Bildungs- und Berufsbiografie aktiv zu gestalten.
Übergänge zwischen den allgemeinbildenden Schulen und der beruflichen Ausbildung in den Betrieben, bei den Ausbildungsträgern und den beruflichen Schulen sollen eng vernetzt werden.

Rahmenkonzept für die Reform des Übergangssystems Schule - Beruf

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NEUES AUS DEM BIBB

+ Ausländische Jugendliche bei der Ausbildungsbeteiligung unterrepräsentiert

Rund 65 Prozent der Jugendlichen in Deutschland gehen den Weg in die duale, das heißt auf betriebliche Ausbildung und Berufsschule gestützte Berufsausbildung. Unter den Jugendlichen mit ausländischem Pass schließen nur halb so viele Jugendliche einen Vertrag im dualen System ab wie unter denjenigen mit deutschem Pass. Und dies, obwohl Befragungen und Studien zeigen, dass in den vergangenen Jahren der Wunsch nach einer betrieblichen Ausbildung bei beiden Gruppen mit rund 60 Prozent in etwa gleich hoch ausfällt.

Unter den deutschen Jugendlichen sank die Ausbildungsbeteiligungsquote von 70 Prozent im Jahr 1993 auf einen Tiefstwert von 57 Prozent im Jahr 2006, unter den ausländischen Jugendlichen war die Situation noch dramatischer. Dort lag die Ausbildungsbeteiligung schon in der Vergangenheit nur halb so hoch wie die der Deutschen und sank weiter von 34 Prozent im Jahr 1994 auf nur noch 23 Prozent im Jahr 2006.

Allerdings konnte bei den ausländischen Jugendlichen in den Jahren seit 2006 ein vergleichsweise starker Anstieg der Ausbildungsbeteiligungsquote festgestellt werden. Dies mag auf einen Erfolg von Programmen zur Förderung benachteiligter Personengruppen zurückzuführen sein, es könnten aber auch neuere Entwicklungen auf dem Ausbildungsstellenmarkt eine Rolle spielen. So führt der demografisch bedingte Rückgang der Bewerberinnen und Bewerber möglicherweise dazu, dass vermehrt auf die "Reserve" ausländischer Jugendlicher zurückgegriffen wird. Dennoch ist die Integration ausländischer
Jugendlicher in das duale System immer noch nicht ausreichend gelungen.

BWP-Artikel "Trotz steigender Ausbildungsbeteiligung ausländische Jugendliche nach wie vor unterrepräsentiert" (PDF, 80 KB)


+ Wettbewerb "My Ausbildung Plus"

Wer nach dem Schulabschluss eine praxisnahe Ausbildung machen will, wer seine Berufschancen und Karriereaussichten verbessern möchte, dem bieten sich viele Möglichkeiten. Eine davon sind Zusatzqualifikationen, die man im Rahmen des Programms Ausbildung plus mit einer dualen Ausbildung kombinieren kann.

Auszubildende können zum Beispiel zusätzlich Computer-Zertifikate erwerben oder in Kursen in der Berufsschule oder während eines Auslandsaufenthaltes ihre Fremdsprachenkenntnisse vertiefen. Lehrlinge in Handwerksberufen können zusätzlich betriebswirtschaftliche Kenntnisse erlangen und auf diese Weise schon während der Ausbildung einen Teil der Meisterprüfung absolvieren, oder sie machen während ihrer Ausbildung die Fachhochschulreife nach.

Das BIBB möchte an den Erfahrungen von Auszubildenden und Studierenden teilhaben und diese anderen Jugendlichen zugänglich machen. Mit dem Wettbewerb "My Ausbildung Plus" werden junge Menschen gesucht, die authentische Berichte über ihre Ausbildung schreiben.

Die Wettbewerbsbeiträge könnten sich beispielsweise mit Fragen wie dieser beschäftigen: Was für eine Zusatzqualifikation hast Du erworben und was hat sie Dir gebracht?

Die Berichte können online eingereicht werden. Alle veröffentlichten Beiträge werden belohnt. Die ersten drei Plätze erhalten Geldpreise. Bewerbungsschluss ist der 15. August 2010.

www.myausbildungplus.de


+ KAUSA-Medienpreis "Bildungswege von Migranten" ausgeschrieben

Viele der 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund haben ihren Platz in der deutschen Gesellschaft gefunden. Dennoch werden Migrantinnen und Migranten in den Medien vor allem mit Negativ-Schlagzeilen in Verbindung gebracht.

Der Jobstarter-Programmbereich KAUSA, die Koordinierungsstelle Ausbildung bei Selbstständigen mit Migrationshintergrund, will das Bild von Migrantinnen und Migranten in den Medien verändern. Daher wird in diesem Jahr erstmals der KAUSA-Medienpreis vergeben.

Bei diesem Wettbewerb können sich Nachwuchsjournalisten mit einem Beitrag zum Thema "Bildungswege von Migrantinnen und Migranten" bewerben. In den Kategorien Print/Online, Rundfunk und Film werden Preise im Gesamtwert von 25.500 Euro vergeben. Der Wettbewerb soll zu einer differenzierten Berichterstattung über kulturelle Vielfalt in Berufsbildung und Arbeitswelt beitragen.

www.kausa-medienpreis.de

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BLICK ÜBER DIE GRENZEN

+ Modernisierung der Berufsbildung in Europa

In den Jahren 2006 bis 2008 untersuchte die Cedefop die Erfordernisse und Verfahren zur Modernisierung der Berufsbildung in Europa mit Blick auf die Zeit nach 2010. Die daraus resultierenden Forschungsbeiträge bilden die Grundlage für den vorliegenden vierten Bericht zur Berufsbildungsforschung.

Kapitel 5 des Berichts beleuchtet die Frage, welche Bedeutung die Berufsbildung für die soziale Integration und den sozialen Zusammenhalt hat. Sozialer Zusammenhalt bringt viele Vorteile für eine Gesellschaft mit sich: starke Gemeinschaften, niedrige Kriminalität, soziale Vorteile für den Einzelnen, Solidarität, zivilgesellschaftliches Engagement etc. Dieser Zusammenhalt hängt in starkem Maße mit Bildung zusammen, ebenso wichtig ist aber die Chancengleichheit im Bildungswesen. Berufliche Bildung kann Auswirkungen sozialer Vererbung mildern und Mobilität über soziale Schichten hinweg ermöglichen.

Die Tatsache, dass viele Berufsbildungsprogramme auf Arbeitsmarktbeteiligung konzentriert sind, wird deshalb kritisch gesehen. Bei der Bekämpfung von Ausgrenzung darf dem Bericht zufolge der Schwerpunkt nicht nur auf der Förderung des Zugangs zu Beschäftigung liegen, das wird den sozialen und kulturellen Dimensionen des Problems nicht gerecht. So fördert berufliche Sozialisation das Zugehörigkeitsgefühl zu Praxisgemeinschaften in den Betrieben und vermittelt staatsbürgerliche Werte.

Kritisiert wird auch die Ausrichtung vieler Programme auf einzelne Zielgruppen. Hier werden Menschen außen vor gelassen, die von anderen Formen der Ausgrenzung betroffen sind, aber nicht ins Profil passen. Die homogenen Gruppen verstärken zudem die soziale Segregation. Stattdessen werden für die moderne Berufsbildung Programme empfohlen, die sich am Individuum orientieren und subjektive Kompetenzen, Lernerfordernisse und Lernfähigkeiten berücksichtigen. 

"Die Modernisierung der Berufsbildung. Vierter Bericht zur Berufsbildungsforschung in Europa":
www.cedefop.europa.eu/EN/Files/4068_de.pdf (PDF, 1,7 MB)


+ Höheres Armutsrisiko bei Geringqualifizierten

Das Eurostat-Gutachten "Income and living conditions" beziffert das Armutsrisiko für Geringqualifizierte als doppelt so hoch im Vergleich zu Personen mit mittlerem Ausbildungsniveau.

24 Prozent beträgt das Armutsrisiko im EU-Durchschnitt für Personen mit niedrigem Ausbildungsniveau; mit mittlerem und hohem Bildungslevel sind lediglich 13 beziehungsweise 6 Prozent betroffen.

Das Armutsrisiko für Geringqualifizierte ist in Lettland mit 43 Prozent und in Bulgarien mit 39 Prozent am höchsten. Am anderen Ende der Skala stehen Dänemark mit 15 Prozent und die Niederlande mit 11 Prozent.

www.cedefop.europa.eu/en/articles/15915.aspx


+ Arbeitsmarktpolitik europäischer Großstädte im Vergleich

Der Arbeitsmarktservice Österreich hat anhand der Beispiele Amsterdam, Köln und München die Arbeitsmarkpolitik in europäischen Großstädten verglichen. Das Ziel ist, typische Merkmale und Probleme städtischer Arbeitsmärkte und die sich daraus ergebenden Anforderungen an städtische Arbeitsmarktpolitik zu identifizieren.

Im Rahmen der Studie sind auch Good-Practice-Beispiele aus der Arbeitsmarktpolitik recherchiert worden. Dabei handelt es sich um lokale Projekte und Programme, zum Teil um bundesweite Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik, aber auch um Prinzipien der aktiven Arbeitsmarktpolitik vor Ort sowie Partnerschaften und Netzwerke.

Ausgewählte Ergebnisse der Studie mit Link zur Langfassung (PDF, 317 KB)


+ Schweiz: Erfolg der beruflichen Grundbildung wird untersucht

Eine Längsschnittuntersuchung der Hochschule für Heilpädagogik in Zürich und des Service de la recherche en éducation in Genf hat zwischen 2005 und 2009 die beruflichen Laufbahnen von Lernenden der sogenannten zweijährigen beruflichen Grundbildung mit Berufsattest (EBA) untersucht.

Die Befragung der Absolventinnen und Absolventinnen ein Jahr nach dem Abschluss attestiert der zweijährigen Grundbildung eine erhöhte Durchlässigkeit zu weiterführenden Ausbildungen, im Besonderen zur drei-jährigen Grundbildung, die zu einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) führt. Hierbei wird die zweijährige EBA-Grundbildung mit einem Jahr angerechnet.

Ob auch eine verbesserte Arbeitsmarktfähigkeit erreicht werden kann, wird derzeit untersucht. Im Frühjahr wurden die Teilnehmenden zweieinhalb Jahre nach Ausbildungsabschluss erneut befragt. Erste vorläufige Ergebnisse zeigen noch keine erhöhte Erwerbstätigkeit, aber größere Mobilität und höheren Lohn:
www.hfh.ch/webautor-data/256/Kammermann_HfH_EBa_280410.pdf (PDF, 176 KB)

Aktuelle Ergebnisse, die speziell die Problematik der Benachteiligten betreffen sind nachzulesen im Artikel "Job or further training?: Impact of the Swiss Basic Federal Vocational Education and Training (VET) Certificate on the careers of low achieving young people" in der Sonderausgabe der Zeitschrift Education + Training mit dem Titel "Vocational education and training (VET) pathways for disadvantaged youth:

Schlussbericht ein Jahr nach Ausbildungsende:
www.hfh.ch/webautor-data/70/EBA_Schlussbericht_09.pdf (PDF, 299 KB)

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AKTUELLE VERANSTALTUNGEN

18. August 2010, Offenbach am Main
Fachveranstaltung "Potentiale erkennen und analysieren", Stadt Offenbach

14. September 2010, Essen
Fachtag "Kultur auf der Spur: Interkulturelle Kompetenzen und Öffnung der Jugendsozialarbeit", LAG Jugendsozialarbeit NRW

Einzelheiten zu den Veranstaltungen im GPC-Terminkalender:
www.good-practice.de/tkal/

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Dr. Petra Lippegaus-Grünau
Thomas Materna
Tel: 0228/107 1324
Fax: 0228/107 2886

Bundesinstitut für Berufsbildung
Good Practice Center
53043 Bonn