Ausgabe 120 31.01.2013 » Onlineversion des Newsletters

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Der GPC-Newsletter wird herausgegeben vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Good Practice Center zur Förderung von Benachteiligten

AKTUELLES THEMA
+ Berufseinstiegsbegleitung: Zwischenbericht zieht kritische Bilanz
ÜBERGANG IN DEN BERUF
+ Rehabilitanden sind selten krank
+ Chancengleichheit und Familienhintergrund
+ Bundesrat will Zugang zu Bildung erleichtern
+ Neue Partner der Nationalen Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung
+ Interkulturelle Öffnung in der Jugendberufshilfe - eine Arbeitshilfe
+ Prekäre Beschäftigung ist oft nicht nur ein Übergangsphänomen
+ Wettbewerb "Ich hab's geschafft!"
GPC
+ Good-Practice-Beispiel "Mission Locale" - ein Projektbericht aus Frankreich
+ Veranstaltungsdokumentation zum Expertengespräch "Assistierte Ausbildung"
+ GPC-Bericht zur Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege
+ Aktuelle Datenbank-Einträge
BIBB
+ Kräftiger Anstieg der Ausbildungsvergütungen
+ Szenarien zur Entwicklung von Qualifikation und Arbeit bis 2030
EUROPA
+ IAB-Infoplattform zu Jugendarbeitslosigkeit und Berufsbildungssystemen in Europa
VERANSTALTUNGEN
+ Aktuelle Termine
AKTUELLES THEMA

Berufseinstiegsbegleitung: Zwischenbericht zieht kritische Bilanz

Was bringt die Berufseinstiegsbegleitung für den Übergang in den Beruf? Diese und andere Fragen analysiert der dritte Zwischenbericht zur Berufseinstiegsbegleitung (BerEb), der Ende 2012 herauskam. Gegenstand der Untersuchung war die Erprobungsphase der Berufseinstiegsbegleitung der Bundesagentur für Arbeit nach dem früheren § 421 SGB III.
 
Nochmal zur Erinnerung: Ziel der Berufseinstiegsbegleitung ist es, Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf zum Schulabschluss und in die Ausbildung zu führen. Die Zielgruppe wird erreicht, der Fokus liegt auf leistungsschwächeren Jugendlichen, häufig mit Migrationshintergrund, aus Familien ohne Arbeit und/oder mit vielen Geschwistern.

Einen Hauptschulabschluss haben - nach eigenen Angaben - 54 Prozent der Teilnehmenden an der Berufseinstiegsbegleitung geschafft, 18 Prozent davon einen qualifizierten Hauptschulabschluss. Zum Zeitpunkt der Befragung, etwa ein halbes Jahr nach dem Verlassen der Schule, waren nur rund 15 Prozent ohne Schulabschluss. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass eine  Berufseinstiegsbegleitung gerade für diejenigen gedacht ist, deren Schulabschluss gefährdet ist. Die Leistungsschwächeren unter den Betreuten verbesserten auch ihre Schulnoten, bei männlichen Jugendlichen dagegen zeigen sich tendenzielle Verschlechterungen in Deutsch, Mathematik und Englisch. Hier erscheinen möglicherweise berufliche Fragen wichtiger als schulische Aufgaben.

Den Weg in eine betriebliche Ausbildung hat nach einem halben Jahr nach der Schule rund ein Viertel der Teilnehmenden geschafft, ebenso viele münden in eine berufsvorbereitenden Maßnahme (BVB, BVJ o.a.) ein, der größte Teil (36 Prozent) besucht weiter die allgemeinbildende Schule. Unter denjenigen, die eine Ausbildung absolvieren, ist der Anteil der jungen Männer deutlich höher als der der Frauen, drei Viertel erlernen einen Handwerksberuf. Junge Frauen besuchen eher weiter eine Schule. Die Ergebnisse entsprechen traditionellen geschlechtsspezifischen Bildungswegen - das duale System war immer männlich dominiert - und sind insofern wenig erstaunlich.

Mit dieser dritten Befragungswelle konnte auch untersucht werden, wo diejenigen bleiben, die in vorherigen Durchgängen zunächst ins Übergangssystem eingemündet waren. Über die Hälfte derjenigen, die zunächst in eine berufsvorbereitende Maßnahme gegangen waren, hatten nun einen Ausbildungsplatz, das sind deutlich mehr als unter denen, die weiterhin eine Schule besucht hatten.

Diejenigen, die zuvor eine Ausbildung begonnen hatten, halten überwiegend durch, über 80 Prozent bleiben im selben Ausbildungsbetrieb. Das ist ein beachtlicher Erfolg: Berufseinstiegbegleitung sorgt also für Stabilität in der Ausbildung  - sogar bei Auszubildenden mit kritischen Voraussetzungen.  

In der Phase nach der Schule sind neue Konzepte der Übergangsbegleitung gefragt, diese gestalten die Träger ganz unterschiedlich. Etwa 40 Prozent der befragten Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten auch nach einem halben Jahr noch regelmäßige persönliche Kontakte, das waren aber vor allem diejenigen, die weiterhin eine Schule besuchten.  Bei den Auszubildenden halten nur rund 20 Prozent sporadisch Kontakt. Hatten sich Gespräche im Rahmen von Schule etabliert, taucht nun die Frage auf, wo und wann die Gespräche überhaupt stattfinden sollen. Besonders gefährdet ist die Betreuung, wenn das Personal wechselt. Die hohe Fluktuation unter den BerEb hat sich als dauerhaftes Problem erwiesen, rund ein Drittel der Betreuten mussten sich innerhalb eines Jahres auf eine neue Betreuungsperson einstellen.

Insgesamt beinhaltet der Bericht eine Reihe von Schlussfolgerungen, die diskutiert werden müssen. Der Bericht kann als Aufforderung verstanden werden, die Rollen, Aufgaben und Erfolgskriterien der BerEb zu präzisieren. Zwingend erscheinen die Verbesserung von Rahmenbedingungen und die Erarbeitung klarer Konzepte für die Gestaltung der Arbeit nach der Schule. Nachdenklich stimmt darüber hinaus eine offensichtliche Stigmatisierung durch die Berufseinstiegsbegleitung.  Werden einzelne Jugendliche als förderungsbedürftig ausgewählt, fühlen sie sich von den Lehrkräften, aber auch innerhalb der Klassen als die Benachteiligten abgestempelt. Der Bericht weist zudem auf skeptische Reaktionen potenzieller Arbeitgeber hin. 

Evaluation der Berufseinstiegsbegleitung nach § 421s SGB III (PDF, 3,2 MB)

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ÜBERGANG IN DEN BERUF

Rehabilitanden sind selten krank

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat die Übergangsverläufe junger Rehabilitanden und typische Verlaufsmuster identifiziert. Dazu wurden die Daten einer Panelbefragung des IAB ausgewertet. Befragt wurden junge chronisch kranke oder behinderte Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Ersteingliederung. Dabei ging es unter anderem um die Frage, welche Bedeutung Krankheitsphasen haben.
 
Sechs verschiedene typische Verlaufsmuster konnten bei der Analyse für Rehabilitanden in der Ersteingliederung, also im Anschluss an die allgemeinbildende Schule, identifiziert werden:

Gut ein Fünftel der Befragten konnte der Gruppe der "Berufsvorbereitung" zugeordnet werden: Nach der Teilnahme an berufsvorbereitenden Maßnahmen münden diese Verläufe in eine betriebliche oder schulische Berufsausbildung und anschließend in eine teilweise geförderte Erwerbstätigkeit oder in eine Phase der Arbeitslosigkeit. Diese Gruppe ist kaum geprägt von längeren Krankheitsphasen.

Ein weiteres Fünftel macht die Gruppe des "verzögerten Übergangs" aus: Auch dieser Verlaufstyp ist stark geprägt von berufsvorbereitenden Maßnahmen und einer anschließenden beruflichen Ausbildung; allerdings gehen diesem Weg vermehrt Phasen der Arbeitslosigkeit, der Orientierung (Berufsorientierungskurse oder Praktika) sowie sonstige Aktivitäten (Hausfrau / -mann, Kindererziehungszeiten, Wehr- oder Zivildienst etc.) voraus. Auch in dieser Gruppe spielen längere Krankheitsphasen kaum eine Rolle.

Knapp ein Fünftel der befragten Rehabilitanden geht direkt nach Abschluss der allgemeinbildenden Schule in eine berufliche Ausbildung über. Auch wenn sich dieser Phase in vielen Fällen eine Phase der Arbeitslosigkeit anschließt, ist diese Gruppe am stärksten durch den Verbleib in einer (größtenteils geförderten) Erwerbstätigkeit charakterisiert.

Diesen drei Typen mit klar erkennbaren Verläufen steht die Gruppe der "Unsicheren" entgegen, die durch knapp ein Viertel der Befragten besetzt wird: Die fünf Jahre nach Verlassen der Schule sind gleichermaßen geprägt durch berufsvorbereitende Maßnahmen und Arbeitslosigkeit. Auch Anteile an größtenteils ungeförderter Erwerbstätigkeit sind zu verzeichnen, aber nur in geringem Maße die Aufnahme oder der Verbleib in einer beruflichen Ausbildung.

Knapp zwölf Prozent der beobachteten jungen Rehabilitanden durchleben einen "entkoppelten Übergang", der zwar nicht durch längere Krankheitsphasen gekennzeichnet ist, bedauerlicherweise aber auch nicht durch Präsenz am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Die dominanten Zustände fallen in den Bereich der "sonstigen" Aktivitäten wie Haushalt- und Erziehungspflichten, Zivil- oder Wehrdienst.

Entgegen der vordergründigen Erwartung lässt sich nur eine kleine Gruppe von gut drei Prozent der Gruppe "Gesundheitsprobleme" zuordnen: Die fünf Jahre nach Verlassen der Schule sind bei diesen jungen Menschen gleichermaßen gekennzeichnet durch Phasen der Arbeitslosigkeit, der beruflichen Ausbildung und vor allem durch längere Krankheiten, ohne dass ein stringenter Verlauf abzuzeichnen wäre.

IAB-Forschungsbericht 14/2012 (PDF, 413 KB)

Chancengleichheit und Familienhintergrund

Der Einfluss des Familienhintergrundes auf individuelle Arbeitseinkommen, Familieneinkommen, Stundenlöhne sowie Bildungserfolg ist in Deutschland im internationalen Vergleich sehr hoch: 40 Prozent der Ungleichheit im individuellen Arbeitseinkommen werden durch den Familienhintergrund erklärt. Beim Bildungserfolg liegt der Wert sogar bei über 50 Prozent. Das zeigen die Ergebnisse einer Untersuchung für das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Hierfür wurde analysiert, wie ähnlich sich Geschwister sind (so genannte Geschwisterkorrelation). Die Idee hierbei: Wenn ein substanzieller intergenerationaler Zusammenhang vorliegt, sollten sich zwei Geschwister deutlich ähnlicher sein als zwei zufällig ausgewählte vergleichbare Individuen. Wie die Untersuchung zeigt, hängt der Bildungserfolg in Deutschland sogar stärker mit dem Familienhintergrund zusammen als ein weitgehend genetisch determiniertes Merkmal wie die Körpergröße.

Diese Befunde sprechen laut den Autoren der Studie dafür, die Durchlässigkeit des Bildungssystems zu erhöhen und fehlende Förderung der Kinder in bildungsfernen Familien durch frühzeitige staatliche Angebote zu kompensieren.

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) kommt zu einem positiveren Eindruck der deutschen Bildungsmobilität, wonach der Nachwuchs sich "auf der Überholspur" befindet. Hier wurde festgestellt, dass viele junge Menschen einen höheren Abschluss als ihre Eltern schaffen. Danach hat fast jeder Dritte der 35- bis 44-Jährigen einen höheren Abschluss als der Vater. Im Vergleich zur Mutter sind es sogar 40 Prozent. Nur jeder Elfte dagegen ist ein Bildungsabsteiger.

Das Einkommen der Eltern spiele für den Bildungsaufstieg der Kinder kaum eine Rolle. Bedeutender sei, wie das Einkommen erzielt wird: Kinder von Sozialhilfeempfängern gehen seltener aufs Gymnasium als jene von Erwerbstätigen - auch von solchen mit niedrigem Einkommen. Bei Migrantinnen und Migranten funktioniere der Bildungsaufstieg gleich gut wie bei Nicht-Zuwanderern. Bei den untersuchten 17-Jährigen in Deutschland geborenen Kindern von Migrantinnen und Migranten bestehe unter sonst gleichen Bedingungen sogar eine bessere Chance auf Bildungsaufstieg als bei solchen ohne Migrationshintergrund.

Die OECD attestiert Deutschland hingegen, dass die junge Generation nicht besser sondern sogar etwas schlechter ausgebildet ist als die Eltern - anders als in den meisten anderen Ländern. In Deutschland seien 20 Prozent der Erwerbstätigen höher gebildet als ihre Eltern, während 22 Prozent einen niedrigeren Abschluss haben.

Dieser Widerspruch zur IW-Studie liegt wohl darin begründet, dass das IW die Gruppe der 35- bis 44-Jährigen untersucht hat - ein Alter, in dem die meisten Menschen ihren Bildungsweg abgeschlossen haben. Die OECD hatte hingegen die Gruppe der 25- bis 34-Jährigen untersucht - zum Nachteil Deutschlands mit immer noch längeren Bildungswegen als anderswo.


DIW-Wochenbericht: "Herkunft prägt beruflichen Erfolg" (PDF, 520 KB)

IW Köln: "Bestimmungsgrößen der Bildungsmobilität in Deutschland"

OECD: "Bildung auf einen Blick" 

Bundesrat will Zugang zu Bildung erleichtern

Mit dem Gesetz zur Ermittlung von Regelbedarfen und zur Änderung des Zweiten und Zwölften Buches Sozialgesetzbuch ist Anfang 2011 das "Bildungs- und Teilhabepaket" eingeführt worden. Neben der Neubemessung der Regelleistungen soll damit für Kinder und Jugendliche aus besonders förderungsbedürftigen Haushalten ein gleichberechtigtes Maß an Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft und ein gleichberechtigter Zugang zu Bildung im schulischen und außerschulischen Bereich gewährleistet werden. Die Erfahrungen der Praxis der vergangenen Jahre haben offenbar gezeigt, dass die derzeitigen Regelungen zu einem erhöhten Verwaltungsaufwand führen und die Inanspruchnahme erschweren. Deshalb hat der Bundesrat einen Gesetzentwurf zur erneuten Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch eingebracht.

In einer Stellungnahme unterstützt die Bundesregierung die angestrebten Änderungen. Die Vorschläge seien das Ergebnis einer konstruktiven Zusammenarbeit von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden beim Dritten und Vierten Runden Tisch zum Bildungspaket und in der Arbeitsgruppe Bildung und Teilhabe des Bund-Länder-Ausschusses. Eine wesentliche Voraussetzung sei allerdings die Kostenneutralität. Eine Ausnahme bilden allein Mehrkosten, die durch eine höhere Inanspruchnahme des Bildungspakets infolge der Verwaltungsvereinfachung entstehen.

Gesetzentwurf des Bundesrates (PDF, 211 KB)

Neue Partner der Nationalen Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung

Die Bundesagentur für Arbeit, der Deutsche Gewerkschaftsbund und der Deutsche Städtetag sind neue Mitglieder des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Kultusministerkonferenz initiierten Bündnisses für Alphabetisierung und Grundbildung. Das Ziel der in der Nationalen Strategie vereinbarten Maßnahmen ist es, Menschen, die nicht oder nur unzureichend lesen, schreiben und rechnen können, zur besseren beruflichen, sozialen und ökonomischen Teilhabe zu befähigen. Das BMBF fördert unter anderem ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm zur arbeitsplatzorientierten Alphabetisierung, das bis zum Jahr 2015 mit rund 20 Millionen Euro ausgestattet ist.

Der Vorstandsvorsitzende der BA, Frank-Jürgen Weise, sagte: "Vermittlungs- und Beratungsfachkräfte der Arbeitsagenturen und Jobcenter haben unterschiedliche Instrumente, um die nationale Strategie zu unterstützen. Neben den Angeboten des Bundes, der Länder und der Kommunen können sie dabei auch die arbeitsmarktpolitischen Instrumente zur individuellen Förderung einsetzen." In einer Studie der Universität Hamburg wurde im Jahr 2011 erstmals das Ausmaß des funktionalen Analphabetismus in Deutschland bestimmt. Demnach können über 7 Millionen Erwachsene nicht oder nur unzureichend lesen und schreiben.

Informationen des BMBF zur Nationalen Strategie

Informationskampagne "Lesen & Schreiben - mein Schlüssel zur Welt"

Interkulturelle Öffnung in der Jugendberufshilfe - eine Arbeitshilfe

Der AWO Bundesverband hat eine praxisorientierte Arbeitshilfe für Träger der Jugendberufshilfe sowie Jugendmigrationsdienste erstellt, die das Thema Interkulturelle Öffnung behandelt. Einrichtungen der Jugendberufshilfe betreuen selbstverständlich seit Jahren junge Menschen mit Migrationshintergrund. So selbstverständlich, dass die Notwendigkeit für eine Interkulturelle Öffnung oft gar nicht gesehen wird. "Wir sind doch sowieso interkulturell, das ist doch klar", ist eine typische Aussage. Der Bedarf wird häufig erst erkannt, wenn die Kommunikation nicht richtig klappt oder es zu irritierenden Situationen kommt, die man sich nicht erklären kann.

Die Arbeitshilfe wurde für Träger der Jugendberufshilfe sowie Jugendmigrationsdienste erstellt. Was bedeutet nun Interkulturelle Öffnung für die Fach- und Leitungskräfte und wie kann die interkulturelle Praxis weiter verbessert werden? Das sind die Fragestellungen, die mit der Arbeitshilfe bearbeitet werden. Dabei geht es neben dem Erklären von Konzepten auch um praktische Handlungsanweisungen, Beispiele und Reflexionsfragen.

Die Arbeitshilfe

Eintrag in der GPC-Materialdatenbank

Prekäre Beschäftigung ist oft nicht nur ein Übergangsphänomen

Zwischen den beiden Polen stabile Beschäftigung und Langzeitarbeitslosigkeit hat sich offenbar eine "Zwischenzone" des Arbeitsmarktes etabliert. Eine Studie des Hamburger Instituts für Sozialforschung belegt, dass es eine wachsende Gruppe von Menschen gibt, die nicht "aus dem Erwerbsleben herausfallen, denen es aber auch nicht gelingt, sich eine statussichere und auf Dauer gestellte Position in der Arbeitswelt zu erobern."

Im Rahmen der Untersuchung wurden rund 150 Personen aus verschiedenen Regionen mit ganz unterschiedlichen Lebensläufen, die alle bereits einmal Grundsicherung bezogen haben, in mehreren aufeinander folgenden Jahren detailliert zu ihrer Arbeits- und Lebenssituation befragt. Insgesamt zählte mehr als die Hälfte der Befragten zu den "erwerbsgesellschaftlichen Grenzgängern", die zwischen Hartz IV und ungeförderter Beschäftigung hin- und herpendeln oder als Aufstocker sowohl Grundsicherung als auch ein niedriges Arbeitskommen beziehen.

Einige der Grenzgänger sind aus stabiler Beschäftigung in die prekäre Zone abgestiegen, andere kommen direkt aus dem Ausbildungssystem in die Welt der unsteten Niedriglohnarbeit. Sie arbeiten fachfremd, als Elternzeitvertretung, als Minijobber an der Supermarktkasse oder als Leiharbeitnehmer Hand in Hand mit dem Stammpersonal. Analog zu den Arbeitsmarktzahlen sei zwar die Erwerbsquote in den letzten Jahren deutlich gestiegen, allerdings hauptsächlich wegen der Zunahme atypischer Beschäftigung.

Laut einer Untersuchung des IAB ist der Anteil der Leiharbeitnehmer an allen Erwerbstätigen in den letzten zwei Jahrzehnten jahresdurchschnittlich um ca. neun Prozent gestiegen. Laut IAB hat die Zeitarbeit erheblich zum Beschäftigungsaufbau beigetragen. Ob Zeitarbeit gleichzeitig reguläre Beschäftigung verdrängt, ist allerdings schwierig zu messen. Der gesamtwirtschaftliche Ansatz des IAB zeigt, dass etwa die Hälfte der flexiblen Zeitarbeitsjobs auf Kosten der Beschäftigung in anderen Sektoren geht.

Mitteilung der Hans-Böckler-Stiftung "Ständiger Kampf gegen den Abstieg"

IAB-Kurzbericht "Zusätzliche Jobs, aber auch Verdrängung" (PDF, 358 KB)

Wettbewerb "Ich hab's geschafft!"

Junge Menschen mit Migrationshintergrund wissen oft zu wenig über die Zugänge zum Berufsleben und die damit verbundenen Aufstiegschancen. Gleichzeitig fehlen auf dem Arbeitsmarkt gut ausgebildete Fachkräfte. Hier setzt der Schülerwettbewerb der Bundesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT an: Schülerinnen und Schüler der 8. bis 10. Klasse sind aufgerufen, beruflich erfolgreiche Menschen mit Migrationshintergrund zu porträtieren. Gefördert wird der Wettbewerb von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

Die Anmeldung kann bis zum 15. März 2013 online über die unten angegebene Webseite erfolgen. Zugelassen werden Einzel- und Teamarbeiten. Auf die Gewinner warten Sachpreise wie iPods, Kopfhörer etc. Eine Jury mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Medien wählt die drei Preisträger, die im Juni 2013 auf einer öffentlichen Veranstaltung durch Staatsministerin Böhmer ausgezeichnet werden.

Zum Wettbewerb

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GPC

Good-Practice-Beispiel "Mission Locale" - ein Projektbericht aus Frankreich

Internationale Projekte bieten die Gelegenheit, von den Nachbarn zu lernen und die eigene Praxis im Spiegel der anderen zu reflektieren. In diesem Sinne will das Projekt transitions der IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. Erkenntnisse aus dem internationalen Fachaustausch für die Gestaltung des Übergangs in Deutschland nutzen.

Ein Treffen der nationalen Expertengruppe im Rahmen von transitions bot Einblicke in die französische Arbeit am Übergang Schule - Beruf. Karine Brard-Guillet vom "Conseil nationale des missions locales" stellte das Programm "Mission Locale" vor.

Zum Bericht 

Veranstaltungsdokumentation zum Expertengespräch "Assistierte Ausbildung"

Als Teil der Wissenschafts-Politik-Praxis-Kommunikation des BIBB hatte das GPC im Dezember letzten Jahres die Gestaltungs- und Umsetzungsmöglichkeiten der "Assistierten Ausbildung" mit Expertinnen und Experten aus Praxis, Wissenschaft und Politik diskutiert. Ziel war es, Impulse für die weitere Entwicklung der beruflichen Bildung zu liefern. Im Mittelpunkt standen dabei die Fragen:

  • Wie kann betriebliche Ausbildung so ergänzt und weiterentwickelt werden, dass mehr Jugendliche erfolgreich zum Ausbildungsabschluss gelangen? 
  • Für welche Jugendlichen, für welche Betriebe kommen kooperative Modelle in Frage?
  • Welche Aufgaben und Rollen übernehmen dabei die Partner Betrieb, Berufsschule und  Bildungsträger?
  • Welcher Rahmenbedingungen bedarf es dazu?

Jetzt steht die Dokumentation der Veranstaltung online zur Verfügung:
"Gemeinsam Zukunftschancen sichern - neue Formen kooperativer Ausbildung"

Pressemitteilung des BIBB zum GPC-Expertenworkshop

GPC-Bericht zur Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege

Die Pflege alter Menschen sichern, junge Menschen in Ausbildung bringen - dieser Ansatz ist ein wichtiger Bestandteil einer neuen Initiative von Bundesministerien, Länderinstitutionen, Sozialpartnern, Fachverbänden, Berufsgenossenschaften und Bundesagentur für Arbeit. Vorrangiges Ziel der "Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege" ist es, die Ausbildungszahlen in der Altenpflege zu erhöhen, das Berufsfeld - besonders für junge Menschen - attraktiver zu machen und so dem Mangel an Pflegekräften entgegenzuwirken.

Der GPC-Bericht "Pflegenotstand eröffnet Chancen für Jugendliche" beleuchtet die Initiative mit Blick auf die Zielgruppe der Jugendlichen mit schlechteren Startchancen. 

Aktuelle Datenbank-Einträge

Zu den Datenbanken des GPC:
www.good-practice.de/datenbanken.php


> Materialiendatenbank (941 Einträge)

NEU: Toolbox "Kommunale Koordinierung im Übergang Schule - Beruf", Deutsches Jugendinstitut (DJI)

Trotz zahlreicher Unterstützungsangebote, Bildungsgänge und Maßnahmen im Übergang Schule und Beruf verlassen rund 15 Prozent der Jugendlichen eines Altersjahrgangs das Bildungs- und Ausbildungssystem, ohne eine Berufsausbildung abzuschließen. Eine kommunale Koordinierung beim Übergang von der Schule in den Beruf hat zum Ziel, Ausbildungslosigkeit und Ausbildungsabbrüche zu verhindern. Dies soll geschehen mit einer besseren Abstimmung und Zusammenarbeit zwischen den Akteuren und Institutionen des Übergangssystems.

Die Toolbox beinhaltet Dokumente (Tools), die für den Aufbau einer kommunalen Koordinierung Informationen und Hilfen bieten. Die aus einer großen Anzahl von Veröffentlichungen zusammengestellten Texte haben sich für die Praxis als besonders hilfreich erweisen.

Stellen auch Sie Ihre Materialien den Kolleginnen und Kollegen in der Praxis zur Verfügung! Kontakt: Michael Gräf, 0228 107-1304

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BIBB

Kräftiger Anstieg der Ausbildungsvergütungen

737 Euro brutto im Monat verdienten die Auszubildenden 2012 durchschnittlich in Westdeutschland. Die tariflichen Ausbildungsvergütungen erhöhten sich gegenüber dem Vorjahr um 4,1 Prozent. In Ostdeutschland stiegen die tariflichen Ausbildungsvergütungen 2012 um 5 Prozent auf durchschnittlich 674 Euro im Monat. Für das gesamte Bundesgebiet lag der tarifliche Vergütungsdurchschnitt 2012 bei 730 Euro pro Monat und damit um 4,3 Prozent über dem Vorjahreswert.

Zwischen den Ausbildungsberufen gibt es erhebliche Unterschiede in der Vergütungshöhe. Sehr hoch lagen die Durchschnitte in den Berufen Mechatroniker/Mechatronikerin (West: 909 Euro, Ost: 885 Euro), Medientechnologe/Medientechnologin Druck (West und Ost: 905 Euro) sowie Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen (West und Ost: 896 Euro). In Westdeutschland waren auch in den Berufen des Bauhauptgewerbes (zum Beispiel Maurer/Maurerin) sehr hohe Ausbildungsvergütungen tariflich vereinbart: Sie betrugen dort durchschnittlich 968 Euro im Monat, während sie in Ostdeutschland mit 772 Euro deutlich geringer ausfielen.

Eher niedrig waren die tariflichen Vergütungsdurchschnitte zum Beispiel in den Berufen Maler und Lackierer/Malerin und Lackiererin (West und Ost: 528 Euro), Bäcker/Bäckerin (West und Ost: 500 Euro), Florist/Floristin (West: 460 Euro, Ost: 312 Euro) und Friseur/Friseurin (West: 454 Euro, Ost: 269 Euro).

Auch zwischen den Ausbildungsbereichen bestanden 2012 in West- und Ostdeutschland deutliche Unterschiede im Vergütungsniveau. Überdurchschnittlich hohe Ausbildungsvergütungen wurden in Industrie und Handel (West: 813 Euro, Ost: 730 Euro) und im Öffentlichen Dienst (West und Ost: 792 Euro) erreicht. Unter dem Gesamtdurchschnitt lagen dagegen zum Beispiel die Vergütungen im Handwerk (West: 606 Euro, Ost: 504 Euro).

Zur BIBB-Analyse

Szenarien zur Entwicklung von Qualifikation und Arbeit bis 2030

Das BIBB hat vier Szenarien für einen zukünftigen Arbeitsmarkt untersucht. Der Bericht zeigt, dass der Fachkräftemarkt von morgen positiv beeinflusst werden kann, wenn heute mit der Umsetzung bildungspolitischer Zielsetzungen begonnen wird. Durch eine Verringerung der Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss in Verbindung mit einer Steigerung der Erfolgsquoten im beruflichen und hochschulischen Bildungsbereich könne die Quote der Arbeitskräfte ohne Berufsausbildung bis zum Jahr 2030 um 16 Prozent reduziert werden. Der voraussichtliche Fachkräftemangel im mittleren Qualifikationsbereich könne hierdurch abgemildert werden.

Im Einzelnen wurden in den jeweiligen Szenarien die möglichen Auswirkungen einer "Steigenden Nachfrage nach höheren Qualifikationen", einer "Steigerung des Exports", einer "Realisierung bildungspolitischer Zielsetzungen" und eines "ausgeglichenen Wanderungssaldos" untersucht.

Die der Studie zugrundeliegenden BIBB/IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen beschreiben zukünftige Entwicklungen des Arbeitsmarktes. Die im Frühjahr 2012 vorgelegte "Langfristige Arbeitskräftebedarfs- und Arbeitskräfteangebotsprojektion bis 2030" zeigte als Ergebnis, dass es bereits zu Beginn des kommenden Jahrzehnts zu spürbaren Engpässen vor allem im mittleren Qualifikationsbereich kommen kann.

BIBB: Wissenschaftliches Diskussionspapier Nr. 137

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EUROPA

IAB-Infoplattform zu Jugendarbeitslosigkeit und Berufsbildungssystemen in Europa

Die hohe EU-Jugendarbeitslosenquote steht im Fokus der internationalen politischen Diskussion. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit soll helfen, Lösungsansätze zu finden. Das in Deutschland bewährte duale berufliche Ausbildungssystem wird zum Vorbild in Europa. Zentrale Fragestellungen lauten: Wie weit sind Elemente des Dualen Systems innerhalb Europas übertragbar? Welche Unterstützung kann Deutschland gegebenenfalls durch die Ausbildung junger Menschen aus Europa leisten?

Die IAB-Infoplattform wirft einen Blick auf aktuelle Literatur zum Stand der Jugendarbeitslosigkeit in Europa, zur Rolle der Berufsbildungssysteme und zu den politischen Strategien zur Integration von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt.

Zur IAB-Infoplattform
(Dort unter "Derzeit verfügbare Themen im IAB-InfoPool" suchen nach "Ausbildung sichert Zukunft - Jugendarbeitslosigkeit und Berufsbildungssysteme in Europa")

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VERANSTALTUNGEN

Aktuelle Termine

28. Februar 2013, Berlin
Fachtagung "Potenzial-Assessment und Kompetenzmanagement im Übergang Schule-Beruf", AWO Bundesverband


Einzelheiten zu den Veranstaltungen im GPC-Terminkalender:
www.good-practice.de/tkal

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