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Von Christine Henry-Huthmacher und Elisabeth Hoffmann
Die duale Ausbildung gilt für die Gesellschaft als Integrationsmotor und für die Wirtschaft als Garant gegen den Fachkräftemangel. Trotz aller Erfolge hat sie jedoch nur wenig öffentliche Lobby. Vor allem junge Menschen mit schwierigen Berufsbiografien gelangen bisher kaum in das Blickfeld der öffentlichen Diskussion. Im Jahr 2010 mündeten 323.700 Jugendliche in das sogenannte Übergangssystem ein, das sich allzu oft als Sackgasse erweist. Um allen Jugendlichen eine Ausbildung zu ermöglichen, sind neue Strategien erforderlich - in erster Linie eine Verbetrieblichung der beruflichen Bildung, ohne die Stärken des dualen Systems preiszugeben, vor allem die Betriebsbindung, den Praxisbezug und die Abschlussorientierung der Ausbildung. Eine erste Aufgabe besteht darin, genau hinzusehen: Was kennzeichnet Jugendliche mit schlechten Startchancen?
Von Prof. Dr. Klaus Hurrelmann
Der Übergang von der Schule in den Beruf verlangt jungen Leuten heute mehr individuelle Orientierung und mehr Leistungsvermögen ab als jemals zuvor. Während die "selbstbewussten Macherinnen und Macher" unter den Jugendlichen damit bestens umzugehen wissen, scheitern die sozial und schulisch Schwachen an der knallharten Leistungsgesellschaft. Damit diese Kluft nicht noch größer wird, benötigen gerade die Benachteiligten eine Neuausrichtung von Berufsorientierung und beruflicher Bildung, die ihrer realen Lebensperspektive gerecht wird.
Von Dr. Dietmar Heisler
Fragt man Praktiker der Benachteiligtenförderung zur aktuellen Situation, entsteht ein eher düsteres Bild: Berichtet wird über Dumpingangebote in den Ausschreibungen und Ghostwriter bei den Angeboten, über das Zusammenbrechen von Trägerstrukturen, befristete Arbeitsverträge und sinkende Löhne, über die Verschärfung und Verdichtung der Probleme von Jugendlichen und darüber, dass es kaum mehr möglich ist, sinnvolle (sozial-)pädagogische Arbeit zu leisten.
Von Dr. Rüdiger Preißer
Die Eignungsanalyse zu Beginn der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB) verfehlt ihr Ziel. Es gibt eine Reihe von Kritikpunkten: erhebliche konzeptionelle und methodische Mängel, aufwändige, aber eher technokratisch angewandte Verfahren, keine Orientierung an der Person, vor allem aber kaum Auswirkungen auf die Förderung. Die aufgewendeten Ressourcen sollten besser in eine individuelle und passgenaue Förderung der Jugendlichen investiert werden.
Von Stephanie Odenwald
"Ich schaffe es ja doch nie, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, also wozu lernen!" Es muss zu denken geben, wenn Jugendliche in allgemeinbildenden Schulen keine Perspektive sehen, sich als Versager fühlen, Hassgefühle entwickeln. Für diejenigen, die tatsächlich im so genannten "Übergangssystem" landen, werden nach Schätzungen zurzeit jährlich ca. 6 Milliarden Euro ausgegeben - mit einem mehr als fraglichen Erfolg. Welche Reformansätze können den Übergang für Jugendliche effizienter und erfolgreicher gestalten?
Von Ragna Melzer
Immer mehr Kommunen greifen das Konzept des Lokalen Übergangsmanagements auf und setzen es gemeinsam mit den lokalen Akteuren um. Viele freie Träger drohen nun zum Opfer der damit verbundenen, überaus dynamischen Prozesse zu werden. Immer öfter haben sie das Gefühl, dass diese - von ihnen selbst geforderten - Entwicklungen systematisch an ihnen vorbei gehen und sie schlichtweg den Anschluss verpassen. Aber wie können sie auf diese massiven Umbrüche reagieren?
Von Thomas Sattelberger
Berufliche Bildung muss heute mehr vermitteln als nur Beschäftigungsfähigkeit. Damit Jugendliche die Herausforderungen der Zukunft meistern können, muss Ausbildung sie entsprechend ausstatten: Sie müssen das Lernen lernen, Netzwerke bilden, ein Bewusstsein der eigenen Identität entwickeln und motiviert werden, sich in der Gesellschaft zu engagieren. Dazu sollten Unternehmen sich stärker als Teil des Ganzen verstehen und selbst soziale Verantwortung wahrnehmen - auch für diejenigen, die am Rande stehen.
Von Christian Hampel
Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) stellt auch für benachteiligte und beeinträchtigte junge Menschen grundsätzlich eine Chance auf Teilhabe dar. Diese Chance kann jedoch allzu leicht verspielt werden: Wenn ihre erworbenen Kompetenzen nicht anerkannt und adäquat im DQR eingeordnet werden, drohen die Zielgruppen der Jugendsozialarbeit aus dem (Qualifikations-)Rahmen zu fallen.
Von Dr. Gertrud Kühnlein
Eine schnelle Einbeziehung in den betrieblichen Alltag statt realtitätsferner, "verschulter" außerbetrieblicher Förderung: Die Vision der Verbesserung der Beschäftigungschancen benachteiligter Jugendlicher durch eine Stärkung des Lernorts Betrieb ist unmittelbar einleuchtend. Und so nimmt die Zahl der Programme und Projekte, die darauf abzielen, stetig zu. Die Tendenz zur Verbetrieblichung markiert einen Paradigmenwechsel der Benachteiligtenförderung.
Von Walter Würfel
Bereits in den 90er Jahren hat sich ein "Maßnahmedschungel" bzw. ein "Parallelsystem" im Übergang von der Schule in den Beruf herausgebildet. Doch statt einer Bereinigung, z.B. durch die unterschiedlichen "strukturbildenden Initiativen", die in den letzten Jahren durchgeführt wurden, ist das Gegenteil eingetreten: Die Vielzahl der Förderinstrumente und -programme ist noch unübersichtlicher geworden.
Unter der Überschrift "Impulse geben - Positionen vertreten - Diskussionen anregen" greift das GPC in Form von regelmäßig erscheinenden Gastbeiträgen aktuell diskutierte Themen der Benachteiligtenförderung auf. Ganz bewusst sollen verschiedene Perspektiven, aus unterschiedlichen Bereichen und Zusammenhängen heraus, pointiert zur Diskussion gestellt werden.
Die Position der Autorinnen und Autoren gibt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.