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"Mangelnde Ausbildungsreife" - das ist ein Vorwurf, der jungen Menschen häufig gemacht wird, wenn sie sich um einen Ausbildungsplatz bewerben. Was "Ausbildungsreife" eigentlich bedeutet haben unterschiedliche Institutionen beantwortet, so u.a. das BIBB, der DGB, die "Wirtschaft" sowie ein "Expertenkreis Ausbildungsreife".
In einer im letzten Jahr durchgeführten Befragung von knapp 500 Experten aus der beruflichen Bildung hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zunächst herausgefunden, dass in der Öffentlichkeit nicht jeder das Gleiche unter "Ausbildungsreife" versteht und es auch unter den Bildungsverantwortlichen keine einheitliche Definition gibt.
Die Experten sind sich jedoch zunehmend einig, dass diejenigen Fähigkeiten und Arbeitstugenden, die für alle Ausbildungsberufe wichtig sind, die Ausbildungsreife ausmachen.
Übereinstimmung besteht auch darin, dass die Ausbildungsreife nur solche Aspekte umfassen kann, die bereits vor Antritt der Lehre vorhanden sein müssen.
Zu den konkreten Fähigkeiten, Fertigkeiten und Tugenden, die Jugendliche vor Beginn einer Ausbildung mitbringen sollten, zählen die Experten in der Befragung:
Weitere Ergebnisse der BIBB-Expertenbefragung
Laut Eckpunktepapier des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ist Ausbildungsreife eine Frage des Förderns und Forderns.
Sie ist das Ergebnis eines entwicklungspsychologischen Prozesses, der von vielen Faktoren beeinflusst wird: Bildungsnähe oder - ferne des Elternhauses, Migrationshintergrund, soziales Umfeld und schulische Situation.
Benötigt werden gemäß Ausführungen des DGB Potenzialanalysen für Schüler und Schülerinnen, um individuelle Stärken zu fördern und Schwächen durch Förderprogramme abzubauen.
Als Basiskompetenzen gelten: Lesekompetenz und Rechtschreibung, mathematische Grundkenntnisse sowie fremdsprachliche und informationstechnologische Kompetenz. Darüber hinaus sollen Jugendliche gelernt haben, wie sie sich das Wissen aneignen können. Hinzu kommen Schlüsselqualifikationen wie Motivation, Selbständigkeit, Teamfähigkeit und soziale Kompetenz.
Der DGB stellt folgende Anforderungen an Schulen, Betriebe und Berufsberatung:
Eckpunkte und Handreichung des DGB zur Ausbildungsreife
Und was erwartet nun "die Wirtschaft" von den Schulabgängern?
Im Kern geht es der Wirtschaft um Basiskenntnisse und -fertigkeiten, um Sozialverhalten sowie um Grundhaltungen und Einstellungen, die für Arbeit und Beruf unerlässlich sind.
Bei aller Verschiedenheit und fachlicher Differenzierung der möglichen Ausbildungsberufe werden grundsätzlich dieselben Basiskenntnisse vorausgesetzt.
Hierzu gehören fachliche, soziale und persönliche Kompetenzen, die sich wie folgt untergliedern:
Fachliche Kompetenzen
Soziale Kompetenzen
Persönliche Kompetenzen
Ein Expertenteam aus Vertretern der Paktpartner, dem Bundesinstitut für Berufsbildung, Experten aus Unternehmen, beruflichen Schulen, dem Psychologischen Dienst sowie der Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit hat einen "Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife" erarbeitet. Das Ziel war die Entwicklung eines Konzeptes, das eine einvernehmliche Beurteilung der Ausbildungsreife von Jugendlichen ermöglichen soll.
Der Kriterienkatalog richtet sich an diejenigen Institutionen und Personen, die sich mit dem Übergang von der Schule in die Ausbildung beschäftigen und dabei immer wieder auf die Frage stoßen, welche Anforderungen die Wirtschaft an ihre künftigen Auszubildenden stellt und welche individuellen Voraussetzungen unverzichtbar für die Aufnahme einer Berufsausbildung im dualen System sind. Er richtet sich darüber hinaus an Jugendliche und deren Eltern.
Die Anwendung und Akzeptanz der im Kriterienkatalog zusammengefassten Merkmale und Indikatoren der Ausbildungsreife sollen eine Basis dafür bieten, dass über diese Standards künftig nicht immer wieder neu zwischen den kooperierenden Akteuren verhandelt werden muss. Damit soll sich zudem die Chance für eine verbesserte Kooperation ergeben.
Der Kriterienkatalog gliedert sich in die Merkmalsbereiche:
Für jeden dieser Bereiche wurden die grundlegenden und unverzichtbaren Basismerkmale aufgelistet und praxisnah beschrieben, die aus Sicht der Betriebe und der übrigen Experten unbedingt vor Beginn einer jeden Berufsausbildung vorliegen sollten.
Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife (PDF, 293 KB)
Quellen:
E-Magazin der Bundesregierung, Beitrag vom 06.04.2006 (leider nicht mehr online verfügbar)
IHK Pfalz: "Was erwartet die Wirtschaft von den Schulabgängern?" (PDF, 64 KB)
Letzte Änderung: 23.05.2011 eMail-direkt » Seite empfehlen »
Dr. Rolf Schmitz-Keitel
1. Die Überbetonung des Englischen als einzige Fremdsprache in den letzten 15 Jahren in Deutschland ist ein bedauernswerter Fehler in den Denkschablonen deutscher Bildungspolitiker una anderer
Darüber hinaus sind -nur Grundkenntnisse in Englisch zu wenig, um wirklich mit der Sprache ernsthaft arbeiten zu können.
Eine zweite wichtige europäische Fremdsprache (Spanisch, Französisch, Russisch) muss in den Anforderungskatalog aufgenommen werden.
Erstellt am: 27.04.2006 Kommentare hinzufügen »
Auswahlbibliographie zur Ausbildungsreife
(PDF, 117 KB)
Literaturhinweis
Verena Eberhard, Das Konzept der Ausbildungsreife - ein ungeklärtes Konstrukt im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen. Ergebnisse aus dem BIBB. Wissenschaftliche Diskussi-onspapiere Nr. 83 (2006).
(PDF, 603 KB)