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Kompetenzen feststellen - aber richtig

Der Beirat des BQF-Programms hat am 07.09.2007 auch über Qualitätsstandards für Verfahren zur Kompetenzfeststellung beraten.

Verfahren zur Kompetenzfeststellung im Übergang Schule-Beruf bilden einen elementaren Bestandteil des örtlichen bzw. regionalen Übergangsmanagements. Sie zielen darauf ab, Jugendliche dabei zu unterstützen, eigene Kompetenzen zu entdecken und sich dieser bewusst zu werden.

Eine Vielzahl an Diagnoseverfahren

In den letzten Jahren haben sich unterschiedliche Diagnoseverfahren und -instrumente entwickelt. Diskussionen werden um handlungsorientierte Methoden, standardisierte Tests und qualitative Beobachtungen geführt. Von großer Bedeutung ist dabei die Qualifizierung derjenigen, die im Rahmen von Kompetenzfeststellungen testen und beurteilen.

Die Projekte des BMBF-Programms "Kompetenzen fördern" führten zu der Erkenntnis, dass Verfahren zur Kompetenzfeststellung mit Qualitätsstandards verknüpft werden müssen, um eine erfolgreiche Umsetzung zu gewährleisten.
Qualitätsstandards sollen sicherstellen, dass Ziele erreicht, dokumentiert und reflektiert werden. Ferner kann mit ihrer Hilfe gewährleistet werden, dass Inhalte verstanden und Ergebnisse genutzt werden.
Qualitätsstandards sollen darüber hinaus einen Beitrag dazu leisten,

  • die Transparenz der verschiedenen Verfahren zu erhöhen,
  • die Vergleichbarkeit der verschiedenen Verfahren herzustellen,
  • die Orientierung und Auswahl zu erleichtern,
  • die Konkurrenz unter den Anbietern abzubauen,
  • die Kooperation zu erhöhen,
  • die Akzeptanz der Verfahren zur Kompetenzfeststellung weiterhin zu sichern bzw. zu steigern.

 

Kategorien von Qualitätsstandards

Die vorgestellten Qualitätsstandards sind drei Kategorien zugeordnet. Ihre Darstellung orientiert sich an den Standards des Arbeitkreises Assessment Center e.V., die vielen Anwenderinnen und Anwendern bereits als praktikable Methoden bekannt sind.

 

Pädagogische Prinzipien
 
Damit Verfahren zur Kompetenzfeststellung dem Ziel genügen können, Stärken und Ressourcen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sichtbar zu machen, individuelle Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen und Entwicklungsprozesse zu initiieren, sollen folgende grundlegende pädagogische Prinzipien beachtet werden:

  • Subjektorientierung - den biografischen Bezug und individuelle Kompetenzen sichtbar werden lassen
  • Managing Diversity - die Verschiedenartigkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer berücksichtigen
  • Lebens- und Arbeitsweltbezug - konkrete Bezüge zum eigenen Leben herstellen
  • Kompetenzansatz - Stärken und Ressourcen hervorheben
  • Transparenzprinzip  - die Verfahren verständlich gestalten


Professionelle Umsetzung

Unabhängig davon, ob im Rahmen der Kompetenzfeststellung standardisierte Tests, biografische Verfahren, Portfolios, Assessment Center oder ähnliche Verfahren zum Einsatz kommen, gibt es für die professionelle Umsetzung einer Kompetenzfeststellung folgende Qualitätsstandards:

  • Auswahl von Verfahren; Ziel- und Prozessorientierung - die Ergebnisse bilden die Grundlage zur zeitnahen Unterstützung und Förderung
  • Professionelle Vorbereitung und Durchführung - geeignete Instrumente und Rahmenbedingungen auswählen
  • Geschultes Personal - die Hintergründe der Verfahren und der Zielgruppe kennen
  • Feedback - individuelle Rückmeldungen geben
  • Schriftliche Ergebnisdokumentation - Auskunft über die erfassten und bilanzierten Kompetenzen geben
  • Qualitätsprüfung/Qualitätssicherung - durchgeführte Verfahren auch intern auswerten und eventuell anpassen
  • Systemorientierung  - die Verwendbarkeit der Ergebnisse zur weiteren Integration in das Ausbildungs- und Beschäftigungssystem sicherstellen


Systematische Beobachtung

Die Standards dieser Kategorie beziehen sich auf simulations- bzw. handlungsorientierte Verfahren (wie Assessment Center oder Potenzialanalysen), die auf der Grundlage einer systematischen Verhaltensbeobachtung durchgeführt werden. Mit dieser Kontrolle sollen Beobachtungs- und Bewertungsfehler vermieden werden.
In dieser Kategorie werden folgende Qualitätsstandards beschrieben:

  • Verhaltensorientierung - das Verhalten einer Person zur Grundlage aller Bewertungen machen 
  • Dokumentation während der Beobachtung - alle wahrnehmbaren Beobachtungen schriftlich festhalten
  • Kriteriengeleitete Beobachtung - durch festgelegte Kriterien die Objektivität des Verfahrens erhöhen
  • Mehrfachbeobachtung - jedes Merkmal mehrfach in verschiedenen Situationen beobachten
  • Trennung von Beobachtung und Bewertung - erst im Anschluss an die Beobachtung bewerten; den gesamten Beobachtungszeitraum berücksichtigen
  • Personalschlüssel - einen Schlüssel von 1:3 (Beobachter : Jugendlicher) nicht überschreiten
  • Rotation - zur Objektivierung nach jeder Aufgabe die Beobachterinnen und Beobachter wechseln


Zu jedem der dargestellten Qualitätsstandards wird zunächst eine Kernaussage mit anschließenden Begründungen formuliert. Darauf folgen Praxis-Tipps zur Umsetzung und Hinweise auf mögliche Verstöße.

 

Praktische Umsetzung von Qualitätsstandards

Die nun vorgelegte Veröffentlichung des BQF-Arbeitskreises "Qualitätsstandards" richtet sich an alle Einrichtungen, Schulen und Personen, die im Rahmen ihrer Arbeit Verfahren bzw. Instrumente zur Kompetenzfeststellung einsetzen.
Darüber hinaus bietet diese Publikation eine Orientierungshilfe zur praktischen Umsetzung eigener Planungen. Die erarbeiteten Qualitätsstandards beziehen sich auf

  • die Vorbereitung und Durchführung,
  • die Auswertung der Kompetenzfeststellung,
  • die pädagogischen Prinzipien im Prozess der Kompetenzfeststellung,
  • die Personen, die mit Kompetenzfeststellungen betraut sind,
  • die Verfahren zur Kompetenzfeststellung selbst.


Das Ziel: ein kohärentes System beruflicher Qualifizierung

Mit der Formulierung konkreter Qualitätsstandards sollen strukturelle Veränderungen im Übergangssystem Schule-Beruf erreicht werden. Es ist ein erklärter Wunsch des Arbeitskreises, dass Schulen, Bildungsträger und Entscheidungsverantwortliche in Zukunft mit diesen Qualitätsstandards arbeiten, indem sie diese in ihre Arbeit aufnehmen bzw. in Form einer Selbstverpflichtung anerkennen.

Weiterführende Informationen zum BQF-Programm:

http://www.kompetenzen-foerdern.de

 

Weiterführende Informationen zum Thema:

GPC-Themenseite Kompetenzfeststellung

Letzte Änderung: 23.05.2011 eMail-direkt »       Seite empfehlen »

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Erstellt am: 26.09.2007 Kommentare hinzufügen »

 
 
 

Veröffentlichung:

Petra Druckrey: Qualitätsstandards für Verfahren zur Kompetenzfeststellung im Übergang Schule-Beruf

 

Bezugsquellen:

IMBSE e.V.

Stichwort "Qualitätsstandards"

Im Moerser Feld 7

47441 Moers

 

Download als PDF, 95KB

 

 

 

Weiterführende Informationen zum Thema:

GPC-Themenseite Kompetenzfeststellung