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Junge Menschen müssen in der Lage sein, lebenslang immer wieder neue Herausforderungen zu meistern. Dazu muss Berufsorientierung sie befähigen, in dem sie sich an der Person ausrichtet und ihr Entwicklung ermöglicht. Diese Forderung stellt eine neue Expertise, die das GPC soeben herausgebracht hat. Eine so verstandene Berufsorientierung sprengt die Grenzen von Schule und muss alle Beteiligten an einen Tisch bringen.
Berufsorientierung ist in aller Munde. Aber nicht alle verstehen dasselbe darunter: Unter dem Etikett bündeln sich ganz unterschiedliche Programme, Projekte, Beteiligte und nicht zuletzt Interessen. Ein Schwerpunkt liegt auf den Anforderungen des Arbeitsmarktes, an die Jugendliche herangeführt werden sollen - häufig unter dem Stichwort "Ausbildungsreife". Ein zweiter Schwerpunkt betrifft die Berufswahl, die "Weichenstellung fürs Leben".
Verwitterungprozess des traditionellen "Berufs für's Leben"
Sieht man sich den Wandel der Arbeitsmärkte und der Gesellschaft an, so stimmen Bilder, die hinter diesen Vorstellungen liegen, schon längst nicht mehr: Anforderungen sind einem ständigen Wandel unterworfen. Es reicht nicht, sich heute auf einen bestimmten Kanon von Anforderungen vorzubereiten, die morgen wieder ganz anders aussehen werden. Die einmalige Berufswahl fußt auf dem Bild des Lebensberufs und ignoriert den fortschreitenden Verwitterungsprozess des traditionellen Berufs. Insbesondere für junge Menschen mit schlechten Startchancen stellt die "Berufswahl" vielfach nur noch einen Einstieg dar in eine Patchworkbiografie, in eine Kette von Neu- und Umentscheidungen.
Berufsorientierung als individueller Lernprozess
Die Autoren Sven Deeken und Bert Butz gehen der Frage nach, wie eine Berufsorientierung aussehen kann, die dieser Wirklichkeit ins Auge sieht und die auch den Voraussetzungen der (sogenannten) Benachteiligten entspricht. Dazu erweitert die Expertise zunächst das Verständnis von Berufsorientierung. Angelehnt an die Ergebnisse des Programms "Schule-Wirtschaft/ Arbeitsleben" betrachtet sie Berufsorientierung als einen individuellen Lernprozess, der lebenslang dauert und drei Aufgaben umfasst:
Die eigene Biografie selbst in die Hand nehmen
Auf der Grundlage dieser Standortbestimmung trifft der/die Jugendliche Entscheidungen und plant eigene Wege in den Beruf und in die Gesellschaft.
Eine so verstandene Berufsorientierung stellt die Person in den Mittelpunkt, sie orientiert sich am Subjekt. Ihr Ziel ist es, junge Menschen zu befähigen, ihre eigene Biografie zu gestalten, und zwar auf dem Hintergrund ihrer Lebensgeschichte und Lebensumstände, ihrer persönlichen Voraussetzungen und Ressourcen, ihrer Kompetenzen und Neigungen. So kann Berufsorientierung frühzeitig dazu beitragen, Benachteiligungen auszugleichen oder zu verhindern, ohne die "Benachteiligten" zu stigmatisieren. Sie trägt damit zu neuen Lernkulturen und zur Entwicklung von Schulqualität bei.
Neues Verständnis von Kooperation
Diese Aufgabe stellt sich entwicklungsbegleitend, das heißt über den Zeitraum der Schule hinaus und umfasst verschiedene Lebenswelten: neben der Schule das familiäre Umfeld, die Wohngegend, den Freizeitbereich, die religiösen oder kulturelle Gemeinschaft, das Ehrenamt usw. Dementsprechend muss subjektbezogene Berufsorientierung all diejenigen an einen Tisch bringen, die mit der Person zu tun haben. Akteure wie die allgemeinen und die berufsbildenden Schulen, die Betriebe, die Agentur für Arbeit und die Jugendsozialarbeit definieren ihre jeweiligen Aufgaben und fügen ihre Angebote zu Gesamtkonzepten zusammen. Systemische Elemente der Berufsorientierung betreffen aber nicht nur die Durchführungsebene, sondern auch Institutionen und Akteure, die Berufsorientierung planen und verantworten, z.B. in Landesministerien. Alle Beteiligten brauchen ein gemeinsames Verständnis dieser Aufgaben und abgestimmte Vorstellungen darüber, was die Qualität von Angeboten ausmacht.
In der Praxis werden diese Ideen bereits umgesetzt. Wie eine solche - subjektbezogene und systemisch eingebundene - Berufsorientierung konkret aussehen kann, zeigt die Broschüre an vier fortschrittlichen Programmen aus Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein.
Erstellt am: 22.04.2010
Letzte Änderung: 14.04.2011 eMail-direkt » Seite empfehlen »
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Erstellt am: 22.04.2010 Kommentare hinzufügen »