Preisgekrönte Nachqualifizierung
Der Verein Werkstatt Frankfurt ist einer der Gewinner des Weiterbildungs-Innovations-Preises (WIP) 2010. Im Mittelpunkt des Projekts "Frankfurter Weg zum Berufsabschluss" steht die Förderung zum selbstständigen Arbeiten und selbstorganisierten Lernen. An- und Ungelernten soll neue berufliche Handlungsfähigkeit durch den Erwerb von Kompetenzen im praxisorientierten Arbeitszusammenhang vermittelt werden.
Die Werkstatt Frankfurt arbeitet im Auftrag der Stadt Frankfurt am Main, der Bundesagentur für Arbeit und der ARGE Frankfurt in eigenen Betrieben und bei Kooperationspartnern. Die Teilnehmenden sollen auf Arbeitsverhältnisse im allgemeinen Arbeitsmarkt vorbereitet und ihre Fähigkeiten zur Selbsthilfe aktiviert werden.
Die WIP-Jury hat die erfolgreiche Umsetzung des Konzepts des lebensbegleitenden Lernens gewürdigt und den "Frankfurter Weg zum Berufsabschluss" als ein Musterbeispiel für eine abschlussbezogene Nachqualifizierung vor allem für Geringqualifizierte, Langzeitarbeitslose und Personen mit Migrationshintergrund bezeichnet.
Der Frankfurter Weg
Mit dem Programm "Frankfurter Weg" unterstützt die Werkstatt Frankfurt in Kooperation mit dem Rhein-Main Jobcenter Arbeitsuchende bei der Qualifizierung. Das modulare Konzept ist mehrstufig auf Qualifizierungsbausteinen aufgebaut und so gestaltet, dass ein anerkannter Berufsabschluss per Externenprüfung nach Paragraf 45 des Berufsbildungsgesetzes erworben werden kann.
Bereits in der Vergangenheit hatten Arbeitssuchende über 25 Jahren oft bei der Werkstatt Frankfurt angefragt, ob sie nicht eine Ausbildung in deren Betrieben beginnen könnten. Die bisherigen Finanzierungsprogramme hatten aber immer eine Altersbeschränkung bis 25 oder höchstens 27 Jahre.
Eine Alternative für erwachsene Arbeitssuchende ist die Umschulung nach SGB III. Allerdings sind Langzeitarbeitslose der zwingend vorgeschriebenen Verkürzung der Ausbildungsdauer nicht immer gewachsen, denn meist muss der Inhalt einer dreijährigen Ausbildung in zwei Jahren gelernt werden.
Anhand dieser Erkenntnisse hat die Werkstatt Frankfurt im Jahr 2005 zusammen mit den Kammern und dem Rhein-Main Jobcenter das Konzept des "Frankfurter Wegs" erarbeitet.
Qualifizierungsbausteine und Kompetenznachweise
Die Teilnehmenden starten mit einer achtwöchigen Kompetenzerfassung. Anschließend beginnen sie in Stufe eins des Frankfurter Wegs mit der zwölfmonatigen Arbeit im Betrieb. Jeder Stufe sind zwei bis vier Qualifizierungsbausteine zugeordnet. Zum Abschluss eines jeden Bausteins erbringen die Teilnehmenden einen Kompetenznachweis.
Vor dem Wechsel in die folgenden Stufen zwei und drei erfolgt jeweils eine Leistungsfeststellung. Nach der dritten Stufe können sich die Teilnehmenden zur Externenprüfung bei der jeweiligen Kammer anmelden. Wenn bereits Vorkenntnisse und langjährige Berufserfahrung vorliegen, können diese Erfahrungen von der Kammer bei der Zulassung zur Prüfung berücksichtigt werden.
In der Arbeit für die Arbeit lernen
Als Kernstück des Programms bezeichnet die Werkstatt Frankfurt die Mitarbeit und das Lernen im Arbeitsprozess. Denn bei der Lösung arbeitsbezogener Probleme werden fachliche und soziale Handlungskompetenzen aufgebaut, die auch in der späteren Arbeitswelt benötigt werden. Die Teilnehmenden sind in die aktuelle Auftragsabwicklung einbezogen, so dass sich für sie die Notwendigkeit ergibt, Wissen aus verschiedenen Themenfeldern zu erarbeiten und direkt anzuwenden.
Derzeit bietet die Werkstatt Frankfurt Qualifizierungen in 18 Berufen an. Die hohe (Berufs-) Abschluss-Quote von rund 85 Prozent belegt den Erfolg der Maßnahme. Der "Frankfurter Weg" ist ein Modell, das Vorbildfunktion für viele Kommunen haben könnte. Das Risiko einer Rückkehr der Teilnehmenden in die Hilfsbedürftigkeit wird durch die Qualifikation verringert. Und für die regionale Wirtschaft stehen durch das Projekt mehr qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung.
Homepage der Werkstatt Frankfurt:
www.werkstatt-frankfurt.de
Informationen zum Weiterbildungs-Innovations-Preises (WIP) des BIBB
www.bibb.de/wip
Erstellt am: 08.06.2010
Letzte Änderung: 20.07.2010

