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Ausbildungsreife schaffen durch Nachhilfe im Betrieb

Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, weil die Betriebe den Bewerberinnen und Bewerbern mangelnde Ausbildungsreife attestieren. Die aktuelle IHK-Unternehmensbefragung zeigt aber auch, dass viele Unternehmen selbst Nachhilfe anbieten oder andere Maßnahmen ergreifen, um Jugendliche fit für die Ausbildung zu machen.

Ausbildungsbegleitende Hilfen nutzt knapp ein Drittel der Firmen

Rund 50.000 Ausbildungsplätze blieben im Jahr 2009 unbesetzt. Nach Angaben der Betriebe überwiegend aufgrund fehlender geeigneter Bewerbungen. Die Firmen beklagen vor allem unzureichende schulische Qualifikationen und persönliche Kompetenzen bei den Ausbildungsplatzbewerberinnen und -bewerbern. Auf der anderen Seite organisiert mehr als die Hälfte aller Ausbildungsbetriebe, die eine mangelnde Ausbildungsreife bei den Schulabgängern erkennen, in irgendeiner Form Nachhilfe im Unternehmen. Auch die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) der Arbeitsagenturen werden von 31 Prozent der Betriebe rege genutzt.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatte im Februar 2010 über 15.000 Unternehmen zu ihren Ausbildungsplänen und -motiven befragt. Trotz Wirtschaftskrise konnte auch 2009 mehr als jedes fünfte Unternehmen nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. In den neuen Bundesländern hat bereits jedes dritte Unternehmen Besetzungsschwierigkeiten. Damit ist die demografische Trendwende auf dem Ausbildungsmarkt bereits angekommen.

Zusätzlich verhindert die mangelnde Ausbildungsreife vieler Schulabgänger eine erfolgreiche Stellenbesetzung. Fast drei Viertel der Unternehmen, die Ausbildungshemmnisse beklagen, sehen unzureichende schulische Qualifikationen und persönliche Kompetenzen bei den Ausbildungsplatzbewerberinne und -bewerbern. Dabei sind die Betriebe zunehmend unzufrieden mit "Soft Skills" wie Leistungsbereitschaft (48 Prozent), Belastbarkeit (44 Prozent) und Disziplin (46 Prozent).

Demografie zwingt zu mehr Kooperationen mit Schulen

In den kommenden Jahren werden die Schulabgängerzahlen weiter  zurückgehen. Die Unternehmen versuchen mit verschiedenen Maßnahmen, sich im Wettbewerb um den Fachkräftenachwuchs gut zu positionieren. Mehr als die Hälfte der vom Bewerberrückgang betroffenen Unternehmen (54 Prozent) kooperieren deshalb mit Schulen.

Sie bieten Praktika an, unterstützen Projektwochen und arbeiten mit Schulen bei der Berufsorientierung zusammen. 47 Prozent der Unternehmen versuchen ihr Ausbildungsmarketing zu verbessern.  Andere Unternehmen suchen die Kooperation mit Hochschulen. Rund ein Viertel (24 Prozent) erschließt neue
Bewerbergruppen für eine Ausbildung, zum Beispiel unter den Studienabbrechern.

19 Prozent der befragten Unternehmen versuchen sich dadurch zu helfen, dass sie lernschwächeren Jugendlichen den Übergang in Ausbildung durch eine Einstiegsqualifizierung (EQ) ermöglichen. Mit einer Absenkung der Anforderungen an die Vorbildung von Bewerbern reagieren - notgedrungen - 18 Prozent der Betriebe auf rückläufige Bewerberzahlen.

Beim schärfer werdenden Wettbewerb um Auszubildende  sind auch die Arbeitsagenturen wieder mehr gefragt. Mit 58 Prozent melden wieder mehr Betriebe offene Ausbildungsplätze an die Arbeitsagenturen.

Unternehmen helfen sich selbst

Die häufig kritisierte Ausbildungsreife der Schulabgänger hat direkte Konsequenzen für die Besetzung von Ausbildungsplätzen. Während insgesamt 21 Prozent der Unternehmen Ausbildungsplätze nicht besetzt haben, waren es bei denen, die über mangelnde Ausbildungsreife klagen, sogar 31 Prozent.
Nur neun Prozent der Unternehmen sehen gar keine Mängel bei der Ausbildungsreife der Schulabgänger. Die Schulen sollten daher ihre Anstrengungen bei der individuellen Förderung der Schüler weiter verstärken. Am Ende der Schulzeit müssten alle Jugendlichen über die notwendigen Grundqualifikationen verfügen, die für eine Ausbildung wichtig sind.

Natürlich ist den Unternehmen bewusst, dass nicht jeder Schulabgänger ein Einser-Schüler sein kann und sich manch ein Jugendlicher noch in pubertärer Entwicklung befindet. Im Rahmen der Ausbildung bieten daher viele Betriebe, die Wissenslücken bei den Jugendlichen feststellen, Möglichkeiten der Nachqualifizierung an.

Neben der bereits erwähnten Nachhilfe und abH-Angeboten setzen immerhin elf Prozent ehrenamtliche Paten ein, die den Jugendlichen beim Übergang von der Schule in Ausbildung oder während der Ausbildung als Mentoren zur Seite stehen. Ein kleiner Teil der Unternehmen (acht Prozent) bietet auch Lehrkräften allgemeinbildender Schulen Praktika an. Diese Praktika gelten als sinnvoll, weil sie Einblicke in das duale System der beruflichen Bildung bieten. Außerdem erfahren die Lehrkräfte mehr über konkrete Ausbildungsinhalte in verschiedenen Berufen. Dadurch können sie den Schülern ein realistisches Bild über das künftige Berufsleben und die Anforderungen in einer Ausbildung vermitteln.

Ob groß oder klein - alle Unternehmen sind aktiv

Nachhilfeangebote sind mittlerweile schon fast die Regel.  Im Mittelstand (200 bis 499 Mitarbeiter) sind es 58 Prozent der Unternehmen, die Nachhilfe organisieren. Aber auch bei den ganz kleinen (weniger als zehn Mitarbeiter) ist es immerhin die Hälfte. Große Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern nutzen besonders häufig die abH der Arbeitsagenturen.

Je größer die Unternehmen sind, desto häufiger bieten sie auch Lehrkräften Praktika an. Gleiches gilt für den Einsatz von ehrenamtlichen Mentoren oder Paten für die Jugendlichen.

36 Prozent der Unternehmen geben an, dass für sie die Besetzung von Ausbildungsplätzen mit lernschwächeren Jugendlichen nicht in Frage kommt. Im Umkehrschluss bedeuten die Umfrageergebnisse, dass die deutliche Mehrheit der Betriebe unter bestimmten Voraussetzungen Chancen sehen, Ausbildungsplätze auch mit lernschwächeren Jugendlichen zu besetzen.

Deutlich wird bei der Befragung, dass nicht allein die Schulnoten für die Chance auf einen Ausbildungsplatz entscheidend sind. Für 21 Prozent der Betriebe sind soziale Kompetenzen wichtiger als die Schulleistungen.

Ausbildung 2010 - Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung (PDF, 277 KB)

Letzte Änderung: 06.01.2012 eMail-direkt »       Seite empfehlen »

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Erstellt am: 16.07.2010 Kommentare hinzufügen »