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Um die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss zu verringern, wurde im Jahr 2009 ein Rechtsanspruch zur Förderung der Vorbereitung zum nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses eingeführt. Wie diese Angebote aussehen, untersuchte INBAS in einer aktuellen Studie. Darin zeigen sich erhebliche Unterschiede bei den Zielen, Regelungen und Konzepten. Erfolgsquoten der verschiedenen Maßnahmen lassen sich kaum vergleichen.
In zahlreichen bildungspolitischen Empfehlungen findet sich die Forderung, die Zahl der Jugendlichen ohne Hauptschulabschuss zu verringern, zum Beispiel beim Innovationskreis Berufliche Bildung, in der Qualifizierungsoffensive und in den bildungspolitischen Prioritäten bis 2020 des Europäischen Rates. Erreicht werden soll dieses Ziel auf zwei Wegen: präventiv sollen gefährdete Schülerinnen und Schüler in der Schule besser unterstützt werden. Gleichzeitig sollen die Möglichkeiten, auch nach der Haupt- oder Förderschule den Abschluss zu erwerben, genutzt beziehungsweise ausgebaut werden. Aus diesem Grund wurde ein Rechtsanspruch auf den nachträglichen Erwerb des HSA eingeführt, der für junge Menschen im Rahmen von berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen umgesetzt wird, für Erwachsene im Rahmen von Weiterbildungsmaßnahmen.
Mehr als 28.000 junge Menschen holen inzwischen bis zu ihrem 21. Lebensjahr einen zuvor nicht erreichten Schulabschluss nach. In Fachdiskursen und bei Erfolgsbilanzen werden diese längst nicht immer einbezogen.
BvB: Nur jeder zehnte strebt Hauptschulabschluss an
Die Studie, die das Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialforschung (INBAS) im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales durchführte, nimmt genau diese Angebote und Personen in den Blick. Sie ging der Frage nach, was für Angebote es gibt, wie sie ausgestaltet sind und welche Personengruppen berücksichtigt werden. Gleichzeitig sollten Anforderungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) für vorbereitende Kurse untersucht werden.
Die Autorinnen führten qualitative Interviews mit Fachkräften aus Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit (BA), dem Berufsvorbereitungsjahr und Arbeitsagenturen durch und befragten in einem zweiten Schritt mehr als 280 Träger, die im Auftrag der BA auf den Hauptschulabschluss vorbereiten. Abgerundet wird die Studie durch eine umfassende Darstellung der entsprechenden Angebote und Prüfungsregelungen in allen sechzehn Bundesländern.
In der Studie werden zunächst zwei Hauptanbieter unterschieden: zum einen die Länder mit meist schulischen Bildungsgängen zum nachträglichen HSA-Erwerb und zum anderen die Bundesagentur für Arbeit. Auf Bundesländerebene wurde insbesondere das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) betrachtet, dass im Jahr 2008 ca. 55.000 junge Menschen besuchten. Von allen Schülerinnen und Schülern im BVJ erwerben deutschlandweit gut 27 Prozent den HSA.
Der Anteil Jugendlicher, die in BvB-Maßnahmen den HSA nachholen, bleibt relativ gering. Nur jeder zehnte Teilnehmende strebt dessen Erwerb überhaupt an. Im Jahr 2008 strebten 9,7 Prozent aller 116.431 Teilnehmenden an einer BvB den HSA an, 2009 waren es 12,7 Prozent von 133.779. Davon waren letztlich knapp 41 Prozent erfolgreich.
Auch Angebote der Volkshochschulen spielen quantitativ eine Rolle. Die VHS-Statistik weist für das Jahr 2009 insgesamt 1.265 Kurse aus, die den Erwerb des HSA zum Ziel hatten. Die VHS-Kurse werden teilweise über Landesgesetze, teilweise im Auftrag der BA durchgeführt. Darüber hinaus werden Angebote in Abendschulen oder im Fernunterricht, aber auch im Rahmen von Arbeitsgelegenheiten durchgeführt.
Steigender Anteil schulmüder Jugendlicher
Die Zielgruppenbeschreibungen sind vielfältig (allein in der Datenbank Kursnet der BA finden sich 46) und weichen erheblich voneinander ab. In den Interviews wurde allerdings angebotsübergreifend von einem steigenden Anteil schulmüder Jugendlicher, von Jugendlichen aus der Förderschule sowie von Personen mit komplexen Problemlagen berichtet.
Nur wenige Angebote zielen ausschließlich auf den Erwerb des HSA, in den meisten Fällen werden schulische mit berufs- und ausbildungsvorbereitenden Inhalten verknüpft. Die befragten Träger sehen deshalb vor allem den Übergang in Ausbildung als Erfolgsindikator an, der Erwerb des Hauptschulabschlusses wird oft eher als positiver Nebeneffekt angesehen.
Dementsprechend stellte sich die Verknüpfung von theoretischen und praktischen Inhalten in den Interviews als grundlegendes Merkmal der methodischen Gestaltung innerhalb der BvB heraus. Auch die Konzepte schulischer Bildungsgänge sind gekennzeichnet durch die Verknüpfung unterrichtlicher Elemente mit Fachpraxis, durch handlungsorientierten Unterricht, Projektarbeit etc.
Als maßgebliche Erfolgsindikatoren bewerten die in der Studie Befragten zudem den Blick auf die Stärken und eine ergänzende sozialpädagogische Betreuung. Den Voraussetzungen der Zielgruppen entsprechend, handelt sich bei den meisten Angeboten weniger um klassische schulische Angebote, es werden (auch) moderne Lehr- und Lernmethoden angewendet, ganzheitliche und lebensweltorientierte Angebote umgesetzt. Sozialpädagogische Betreuung ist ein wesentliches Merkmal der BvB wie auch des BVJ.
Die Dauer der Maßnahmen reicht von viereinhalb Monaten bis zu zwei Jahren, überwiegend dauern die Maßnahmen ein Kalenderjahr oder ein Schuljahr.
Prüfungsanforderungen der Länder variieren stark
Die Regelungen zu den Abschlussprüfungen liegen in der Verantwortung der Bundesländer. Im Detail gibt es einige Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern. Das beginnt mit der unterschiedlichen Bezeichnung der Abschlussprüfung. Elf von sechzehn Bundesländern haben sich für die Bezeichnung "Nichtschülerprüfung" entschieden, drei sprechen von der "Externenprüfung", zwei von der "Schulfremdenprüfung". Eine größere Vielfalt zeigt sich bei der Bezeichnung und Art des erreichbaren Hauptschulabschlusses auf Länderebene.
Die meisten Bundesländer verlangen bei der Antragstellung Angaben zur Prüfungsvorbereitung, einige Länder setzen die Erfüllung der Vollzeitschulpflicht voraus. Prüfungstermine werden je nach Bundesland ein- bis viermal jährlich angeboten. In der Regel absolvieren alle Prüflinge mindestens eine schriftliche Prüfung in Deutsch und Mathematik. Die mündliche Prüfung erfolgt in mindestens zwei und höchstens fünf Fächern. Darüber hinaus werden auch praktische Prüfungen und Projektprüfungen durchgeführt.
In zehn von sechzehn Bundesländern kann die Abschlussprüfung zweimal wiederholt werden, auch wenn die Prüfung bereits in einem anderen Bundesland erfolglos absolviert wurde. In einigen Bundesländern können bei einer Wiederholungsprüfung Prüfungsleistungen angerechnet werden, die bereits in einzelnen Fächern erbracht worden sind. In den meisten Ländern fallen keine Gebühren für die Prüfung zum nachträglichen Erwerb des HSA an.
In mehreren Ländern wird Teilnehmenden aufgrund eines erreichten Notendurchschnitts der HSA ohne Prüfung zuerkannt.
Die Erfolge zu vergleichen, werten die Verfasserinnen Martina Hörmann, Bianca Lenz und Birgit Voigt als "schwierig bis unmöglich". So variieren die Bezugsgrößen, wenn zum Beispiel nur diejenigen gezählt werden, die am Ende des Kurses auch zur Prüfung angemeldet werden. Wenn von 120 Bewerberinnen und Bewerbern nur 28 für die Maßnahme zugelassen werden, ist eine Erfolgsquote von 99 Prozent kritischer zu bewerten als ohne Positivauswahl. Die zum Teil umfassenden Vorgaben für die Externenprüfung stellen an die Prüflinge deutliche höhere Anforderungen als Hauptschulabschlüsse, die aufgrund eines Notendurchschnitts anerkannt werden oder durch schuleigene Prüfungen erfolgen.
Vereinheitlichung empfohlen
Um mittelfristig den Anteil junger Menschen ohne Schulabschluss zu senken, empfehlen die Autorinnen zunächst, die Datenlage zu verbessern und zu vereinheitlichen. Gleichzeitig solle die regionale Verzahnung und die überregionale Abstimmung verbessert werden, idealerweise gehörte dazu eine Vereinheitlichung der länderspezifischen Regelungen zur Prüfung.
Insbesondere in Bezug auf die berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen fordern sie eine klare Priorisierung der Ziele. Solange der Erwerb des HSA nur als Nebeneffekt betrachtet werde und das Hauptaugenmerk auf dem Übergang in Ausbildung liege, blieben die Erfolge beim Erwerb des HSA begrenzt. Gleichzeitig soll die Anzahl von umfassend methodisch-didaktisch qualifizierten Lehrkräften sowie der Bereitstellung geeigneter Lehr- und Lernmittel verbessert werden.
Quelle:
Hörmann, Martina, Lenz, Bianca, Voigt, Birgit: Erfolgreich bestanden - Parameter für den nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses. Gutachten zur Ausgestaltung von vorbereitenden Kursen zum nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses. Hrsg.: INBAS, Offenbach 2010 (PDF, 1,2 MB)
Letzte Änderung: 06.01.2012 eMail-direkt » Seite empfehlen »
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Erstellt am: 14.01.2011 Kommentare hinzufügen »