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Gruppenarbeit in fertigungsverbundenen Lern- und Arbeitsinseln unter dem besonderen Aspekt der Qualitätssicherung


Fragen und Ziele:

Die Einführung von Gruppenarbeit in der CNC-Fertigung legt den Gedanken nahe, bereits in der Berufsausbildung die neuen Anforderungen an die zukünftigen Facharbeiter zu vermitteln. Der veränderte Qualifikationsbedarf ergibt sich vor allem aus dem erweiterten Aufgabenspektrum in den Arbeitsbereichen

- werkstattnahe Programmierung,
- Maschinenumfeldorganisation,
- Qualitätssicherung,
- Auftragsplanung und -steuerung,
- vorbeugende Wartung und Störungsbeseitigung

und den damit einhergehenden größeren Handlungsspielräumen hinsichtlich der Prozeß- und Verfahrensgestaltung, welche hohe Erwartungen an die Methoden- und Sozialkompetenz der Gruppenmitglieder stellen.

Mit der qualitativen und quantitativen Ausweitung der betrieblichen Lernorte durch das Einrichten "Fertigungsnaher Lern- und Arbeitsinseln" sollte versucht werden, die mit der Einführung der Gruppenkonzepte zusätzlich geforderten Qualifikationen über eng mit dem Produktionsprozeß verkoppelte Lernorte zu gewährleisten. Unter Betreuung eines Ausbilders sollten Auszubildende im Beruf Zerspanungsmechaniker/Zerspanungsmechanikerin als Gruppe in den Arbeitsablauf integriert und an der Produktion beteiligt werden.

Die zu untersuchenden Fragestellungen beziehen sich auf ausbildungsorganisatorische, curriculare und methodisch-didaktische Aspekte zum Lernen in der Fertigungsinsel. Im einzelnen betrifft dies die Rahmenbedingungen für Fertigungsinseln, Formen der Arbeitsteilung, Gruppenstruktur und Zusammenarbeit, Kommunikation und Konfliktlösung, die Qualifikation der Ausbilder sowie die Umsetzung der Ausbildungsziele in vorgeschaltete Ausbildungsabschnitte und in der Berufsschule.

Zentrales Anliegen im Modellversuch war die Vermittlung von Qualifikationen für das Arbeiten in Fertigungsgruppen. Dazu bedurfte es:

- der Entwicklung und Erprobung von fertigungsverbundenen Lern- und Arbeitsinseln,

- der Kreierung und Überprüfung eines geeigneten didaktischen Konzepts, basierend auf einem handlungsorientierten Ansatz,

- innerbetrieblicher Lernortabstimmungen und der pilothaften Umsetzung von Ausbildungsdurchläufen,

- einer Weiterbildung des Ausbildungspersonals und der Bereitstellung von didaktischen Materialien.

Das Lerninselkonzept sollte dabei folgende Merkmale aufweisen:

- Verwirklichung einer fertigungsverbundenen Ausbildung durch deren örtliche und organisatorische Anbindung an den Fertigungsbetrieb,

- Qualifizierung der angehenden Facharbeiter im Hinblick auf die zukünftige Gruppenarbeit in der Fertigung,

- Ergänzung der Ausbildung um praxisnahe fachliche Ausbildungsziele, wie z.B. die werkstattorientierte Programmierung (WOP),

- Integration qualitätssichernder (im Sinne eines Total Quality Managements) und dispositiver Aufgaben (wie Arbeitsplanung und -vorbereitung),

- Erwerb von Kooperations- und Kommunikationsfähigkeiten durch Erfahrungen in Arbeitsgruppen,

- Steigerung der Attraktivität dieser produktionstechnischen Berufe,

- fachliche und pädagogische Weiterbildung der Ausbilder sowie die langfristige Sicherung ihrer Fähigkeiten z.B. durch regelmäßigen Einsatz in der Fertigung.

Zur Förderung der fachübergreifenden Qualifikationen ist es eine wichtige Aufgabe der Ausbilder, im Umfeld der Fertigung ein Klima sozialen Lernens zu schaffen, um das Sozialverhalten positiv beeinflussen zu können. Auf der Basis einer derartigen Lernumgebung sind die gewünschten Kompetenzen über erfolgsorientierte Lern-, Kommunikations-, Team- und Planungserfahrungen anzuregen und zu verstärken.

Zusatzinformationen:

Der Modellversuch wurde in Zusammenarbeit mit gewerblichen Berufsschulen und Klein- und Mittelbetrieben (als Ausbildungsverbund) aus der Region durchgeführt.


Ergebnisse des Modellversuchs:

Lern- und Arbeitsinsel FLAI:

Der Aufbau der Lern- und Arbeitsinsel FLAI in der mechanischen Fertigung erfolgte wie geplant durch örtliche Zusammenfassung der Dreh- und Fräsmaschinen sowie eines arbeitsplatznahen Programmier- und Arbeitsplanungsplatzes, der in einer eigenen Bürozelle eingerichtet wurde. Die anfänglich fünf Maschinen wurden im Laufe der Zeit um eine weitere konventionelle Fräsmaschine erweitert, die in unmittelbarer Nähe der Lern- und Arbeitsinsel stand.

Qualitätsausbildung:

Für die Entwicklung der eigenverantwortlichen Qualitätskontrolle in der Ausbildung der Zerspanungsmechaniker als zentrales Ziel im Modellversuch FLAI wurden die erforderlichen Inhalte zur Qualitätssicherung systematisch zusammengefaßt und den zeitlich aufeinander aufbauenden Ausbildungsabschnitten der verschiedenen Ausbildungsjahre und den verschiedenen Lernorten zugeordnet.

Flankierende Lehrgänge/Schulungsbausteine:

- Einführungsbaustein
- Konstruktionslehrgang
- Material- und Werkzeugdisposition (SAP)
- PC- und CAD-Technik
- Grundlehrgänge Drehen und Fräsen

Teamorganisation:

Im Verlauf des Modellversuchs hat es sich als sinnvoll herausgestellt, daß sich die Gruppe der Ausbilder im Zerspanungsbereich, die die FLAI betreuen, selbst als Team organisiert, indem ein Ausbilder die koorinierende Funktion für das Team und als Ansprechpartner nach innen und Außen übernimmt. Damit sollte sichergestellt werden, daß die gestellten Projektaufgaben konzeptionell gemeinsam bearbeitet und umgesetzt werden und ein Teamentwicklungsprozess selbst erlebt wird.


Veröffentlichungen und Materialien:

  • Derriks, Franz (Verf.). Carl Schenck AG (Hrsg.): FLAI; Beschreibung der Ausgangslage im Modellversuch. Darmstadt 1993. Skript, A4, 48 S.
    Gliederung Textauszüge
    Dokumente
  • Derriks, Franz (Verf.). Carl Schenck AG (Hrsg.): FLAI; 1. Zwischenbericht; Projektträger. Darmstadt 1994. Skript, A4, 131 S.
    Gliederung Textauszüge
    Dokumente
  • Rützel, Josef / Schapfel, Franz (Verf.). Technische Hochschule Darmstadt (Hrsg.): 1. Zwischenbericht; Wissenschaftliche Begleitung. Darmstadt 1994. Skript, A4, 68 S.
    Gliederung
    Dokumente
  • Rützel, Josef / Schapfel, Franz (Verf.). Technische Hochschule Darmstadt (Hrsg.): 2. Zwischenbericht der Wissenschaftlichen Begleitung. Darmstadt 1995. Skript, A4, 114 S.
    Gliederung
    Dokumente
  • Schlottau, Walter: Den Arbeitsplatz als Lernort für die Ausbildung neu entdecken und gestalten. 6 Seiten (19 bis 24), in: Panorama Berufsbildung; Nr. 22/ Juni. o.O. 1993.
  • Derriks, Franz / Schlottau, Walter (Verf.): Fertigungsnahe Lern- und Arbeitsinseln: Gruppenarbeit mit dem Schwerpunkt Qualitätssicherung. In: Dehnbostel, Peter / Holz, Heinz / Novak, Hermann (Hrsg.): Neue Lernorte und Lernortkombinationen als Innovationen im Berufsbildungssystem - Erfahrungen und Erkenntnisse aus dezentralen Berufsbildungskonzepten, in: Bundesinstitut für Berufsbildung - Der Generalsekretär (Hrsg.): Berichte zur beruflichen Bildung. Berlin und Bonn 1995.
  • Derriks, Franz / u.a.. Carl Schenck AG (Hrsg.): FLAI; Dokumentation: Jahrestreffen Arbeitskreis Dezentrales Lernen "Didaktik", 13.-15. März 1995. Darmstadt 1995. Skript, A4, 106 S.
    Gliederung Textauszüge
    Dokumente
  • Rützel, Josef; Schapfel-Kaiser, Franz (Hrsg.): Gruppenarbeit und Qualität. Qualifizierungspraxis und Forschung in der betrieblichen Erstausbildung (Modellversuch FLAI). Darmstädter Beiträge zur Berufspädagogik Bd. 18. Alsbach 1997
  • Informationen zur Aubildungspraxis aus Modellversuchen. Faltbl.



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Quelle: MIDo - Information und Dokumentation zu Modellversuchen in der außerschulischen Berufsbildung