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Durch die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland geraten gering qualifizierte Arbeitslose immer mehr unter Druck. Einfacharbeitsplätze im Dienstleistungsbereich scheinen hier eine Lösung zu bieten.
Das Institut Arbeit und Technik (IAT) hat in einer Studie die Stellenbesetzungsprozesse bei "einfachen" Dienstleistungen in den Branchen Gebäudereinigung, Handel, Hotels und Pflege untersucht.
Ein Ziel der Studie war es, mehr Transparenz über Anforderungen und Einstellungskriterien der Unternehmen für solche Arbeitsplätze zu schaffen und somit bessere Ansatzpunkte für eine gezielte Unterstützung der Integration von gering Qualifizierten zu erhalten.
Wirtschaftliche Zahlen
Quantitative Auswertungen belegen, dass die Zahl formal gering Qualifizierter unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Westdeutschland zwischen 1980 und 2002 um rund 40 % auf 3,5 Millionen zurückgegangen ist. Gleichzeitig hat sich der Anteil formal gering Qualifizierter von 30 % im Jahre 1980 auf 16,8 % im Jahre 2002 fast halbiert.
Der Beschäftigungsumfang gering Qualifizierter ist jedoch nicht einheitlich rückläufig. Es gibt durchaus Wirtschaftszweige, in denen die Zahl gering qualifizierter Beschäftigter deutlich gestiegen ist. Dies betrifft z. B. die Bereiche unternehmensnahe, haushalts- und personenbezogene Dienstleistungen sowie Infrastrukturdienstleistungen, so ein Ergebnis der IAT-Studie.
Betriebliches Handeln
Häufig wird behauptet, Unternehmen hätten durch mangelnden Arbeitsanreiz Probleme, Arbeitsplätze in den unteren Lohngruppen zu besetzen. Deshalb verschwänden immer mehr dieser Arbeitsplätze vom deutschen Arbeitsmarkt.
Wie das IAT festgestellt hat, besteht kein Mangel an Bewerbungen. Das Gegenteil ist der Fall.
Beklagt werde häufig eine wahre "Bewerberflut", was viele Unternehmen dazu veranlasst hätte, offene Stellen nicht der öffentlichen Arbeitsvermittlung zu melden, sondern Bewerber über interne Suchwege zu rekrutieren. Dies führe dazu, dass Arbeitslose tendenziell geringere Chancen hätten, überhaupt von diesen Stellen zu erfahren.
Eine weitere Ursache für die vergleichsweise schlechten Arbeitsmarktchancen von gering Qualifizierten liegt laut Studie darin, dass ein nicht unerheblicher Teil der Einfacharbeitsplätze mit formal Qualifizierten besetzt wird.
In den durchgeführten IAT-Betriebsstudien wird deutlich, dass in manchen Branchen und Tätigkeiten die Anforderungen an die Bewerberinnen und Bewerber offenbar differenzierter und höher sind als häufig angenommen. Aber auch selbst für Tätigkeiten mit eher niedrigen Anforderungen stellen Betriebe bevorzugt formal Qualifizierte ein. Mitunter schlicht aus Ermangelung anderer Signale, um die Eignung von Bewerberinnen und Bewerbern einzuschätzen.
Darüber hinaus konkurrierten die gering Qualifizierten auch mit Personengruppen wie Shülerinnn und Schülern, Studierenden und bereits Beschäftigten, die einen Nebenjob suchten.
Erschwerend komme hinzu, dass in allen untersuchten Dienstleistungsbranchen Vollzeitarbeitsplätze immer seltener würden. Statt dessen seien Teilzeitarbeit und Minijobs auf dem Vormarsch. Diese Arbeitsplätze reichten für eine eigenständige Existenzsicherung jedoch nicht aus.
Empfehlungen
Die Ergebnisse legen laut IAT u. a. folgende Schlussfolgerungen nahe:
Eine Verbesserung der Arbeitsmarktsituation von gering Qualifizierten dürfte laut IAT letztlich jedoch am ehesten zu erreichen sein, wenn die Beschäftigung insgesamt - also auf allen Qualifikationsebenen - deutlich gesteigert werde. Denn durch mehr Arbeitsplätze für qualifiziertere (!) Beschäftigte könnte die Verdrängung gering Qualifizierter abgemildert werden.
Aufgrund steigender Anforderungen auch an Einfacharbeitsplätze sollten flankierende Maßnahmen zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit gering Qualifizierter bereit gestellt werden.
Quelle:
IAT-Studie im Auftrag des BMWA (PDF, 2,3 MB)
Letzte Änderung: 23.05.2011 eMail-direkt » Seite empfehlen »
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Erstellt am: 12.01.2006 Kommentare hinzufügen »