Sie befinden sich hier: Startseite | Strukturen | Entwicklungen und Perspektiven
Die "Reformwerkstatt Berufliche Bildung" des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (RW) hat sich in einem Zeitraum von zwei Jahren mit wesentlichen Herausforderungen und Zukunftsfragen der Beruflichen Bildung, insbesondere der Dualen Berufsausbildung, befasst.
Die RW hat Eckpunkte für eine Strukturentwicklung beruflicher Bildung formuliert, die dazu beitragen sollen, die berufliche Bildung mit ihrem Kern der dualen Berufsbildung zu stärken und einen Perspektivwechsel einzuleiten, der die berufliche Bildung wieder in das Zentrum der Bildungspolitik rückt.
In dem Reformkonzept wird u.a. die Chance gesehen, einen Beitrag zur sozialen Integration von Jugendlichen - vor allem auch aus dem Migrantenmilieu - zu leisten.
Grundsätze für eine Reform der Beruflichen Bildung
Die Experten der RW sprechen von einem fragmentierten, selbst von Insidern kaum durchschaubaren Zuständigkeits- und Verantwortungsdschungel der beruflichen Bildung.
Die RW schlägt vor, den gesamten Bereich der beruflichen Bildung in einem Berufsbildungsgesetz zu regeln, da die kaum übersehbaren Formen der Qualifizierungsmaßnahmen für lernschwächere und marktbenachteiligte Jugendliche einen effektiven Ressourceneinsatz erschweren.
Daher seien die Vielfalt der gesetzlichen Regelungen zusammen zu fassen:
Durch entsprechende Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern sollten die Kompetenzen des Bundes deutlich gestärkt werden.
Einer Konzentration und Integration politisch-administrativer, strategischer Gestaltungs- und Steuerungsaufgaben auf gesamtstaatlicher Ebene komme dabei eine zentrale Funktion zu. Insbesondere sollten strategische Funktionen in der Bundeskompetenz angesiedelt werden.
Reformmaßnahmen
Das vorgeschlagene Reformbündel zielt darauf, die Qualität der dualen Berufsbildung zu verbessern.
Das soll u.a. durch ein "Strukturmodell dualer (Berufs)Bildungsweg" erreicht werden.
Die RW schlägt vor, auf gesonderte Maßnahmen am Übergang von der Sek. I zur Sek. II zu verzichten und das letzte Sek. I-Schuljahr - wahlweise als 9. oder 10. -zur Hälfte der Zeit für eine duale Berufsvorbereitung zu nutzten.
Erforderliche Fördermittel sollen nur noch in die Begleitung von Ausbildungsverhältnissen einschließlich der dualen Berufsvorbereitung investiert werden, um einen Berufsabschluss und die Sek. I-Reife zu erreichen.
Dazu gehören u.a.
Förderung und Integration Lernschwacher und Benachteiligter
Die RW schlägt die "duale Berufsvorbereitung" insb. für die Risikogruppen beim Übergang von der Schule in die Berufsbildung als Regelform vor.
Die Wirksamkeit dieses neuen Übergangskonzeptes für die duale Berufsausbildung sei darüber hinaus durch ausbildungs- und schulbegleitende Maßnahmen für lernschwache Schüler zu verbessern.
Aufgrund eines "pädagogischen Förderimperativs bei gravierenden Leistungsdefiziten" sieht der RW keine Alternative zur Verlagerung des schulischen Lernorts von der Haupt- bzw. Förderschule zur beruflichen Schule ab der 8. bzw. 9. Klasse.
Die bisherigen Ansätze zur Förderung lernschwacher und marktbenachteiligter Jugendlicher trügen nachweislich zu wenig zur Linderung von spezifischen Defiziten bei, teilweise verstärkten sie diese sogar.
Berufsbildungszentren und -netzwerke
Berufliche Bildungszentren/-netzwerke sollen als Dreh- und Angelpunkt für die berufliche Bildung etabliert werden; alle Ressourcen seien lokal oder regional stärker zu vernetzen und auf eine klar verabredete Kooperation vor Ort auszurichten.
So soll die Berufliche Bildung als dritter Säule des Bildungssystems neben und zwischen Schule und Hochschule auch rechtlich etabliert werden.
Die bisherige Zuordnung der Berufsschulen zum Schulsystem verkenne den besonderen Charakter der Berufsbildung.
Die beruflichen Schulen bzw. künftig die Berufsbildungszentren könnten nur in rechtlicher Eigenständigkeit stärker als bisher zur Stärkung der innovativen Milieus der Regionen eingebunden werden.
Die Expertinnen und Experten sowie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Reformwerkstatt Berufliche Bildung kamen aus Nordrhein-Westfalen, von Verbänden, der Bundesebene und verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen.
Letzte Änderung: 11.01.2012 eMail-direkt » Seite empfehlen »
Noch keine Kommentare vorhanden
Erstellt am: 14.08.2007 Kommentare hinzufügen »
Reformwerkstatt NRW, Programm zur Zukunft der beruflichen Bildung (PDF, 1 MB)
























Experten/Teilnehmer der Reformwerkstatt Berufliche Bildung:
Dr. Wilhelm Schäffer, Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW (Leitung), Roland Matzdorf, Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW (Moderation), Prof. Dr. Felix Rauner, Institut Technik und Bildung, Universität Bremen (wissenschaftliche Begleitung), Prof. Dr. Gerhard Bosch, Institut Arbeit und Technik, Willi Brase, MdB SPD, Prof. Dr. Philipp Gonon, Universität Zürich, Hermann Nehls, DGB Bundesvorstand, Uwe Schulz-Hofen, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen Berlin, Uwe Schummer, MdB CDU/CSU, Ulrich Wiegand, Handwerkskammer Berlin, Geerd Woortmann, Unabhängiger Sachverständiger.