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Für viele junge Menschen ist das Ende der Schulzeit der Beginn einer Odyssee durch verschiedene berufsvorbereitende oder berufsbildende Maßnahmen. Laut dem Nationalen Bildungsbericht 2008 entwickelt sich ein zunehmend "individualisiertes Übergangssystem". Die Übergänge in eine Ausbildung sowie anschließend in den Arbeitsmarkt verlaufen oftmals kompliziert und langwierig.
Was kommt nach der Hauptschule?
Die Ergebnisse des Bildungsberichtes 2008 zeigen unter anderem:
Die hohe Zahl von Schulabgängern ohne Abschluss stellt ein erhebliches gesellschaftliches Problem dar. Seit Jahren bleiben rund 8 Prozent der Bevölkerung im Alter von 15 bis 17 Jahren ohne Hauptschulabschluss.
Für diese Schulabgänger ergeben sich nach dem Verlassen der Schule theoretisch vier Möglichkeiten:
Tatsächlich hat nur etwa ein Fünftel von ihnen die Chance auf einen Ausbildungsplatz im dualen System, vier Fünftel müssen eine Qualifizierungsmaßnahme im Übergangsbereich wahrnehmen. Das Schulberufssystem ist ihnen ganz verschlossen.
Absolventinnen und Absolventen mit Hauptschulabschluss erreichen zu zwei Fünfteln einen Platz im dualen System, acht Prozent münden in das Schulberufssystem ein, gut die Hälfte landet in Übergangsmaßnahmen.
Übergang - ein Regelangebot
Mit 40 Prozent der Neuzugänge eines Jahrgangs hat das Übergangs-"System" schon aufgrund der großen Menge an Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine zentrale Bedeutung in der Berufsbildung. Die Bildungs- und Ausbildungsangebote des Übergangsbereichs führen aber zu keinem anerkannten Ausbildungsabschluss, der den Jugendlichen Ansprüche in der Berufsausbildung oder auf dem Arbeitsmarkt sichern würde.
Dieser hohe Prozentsatz ist bereits seit sieben Jahren stabil. Die Passungsprobleme zwischen Schule und Berufsausbildung sind somit mehr als verfestigt, was weit über eventuelle Marktungleichgewichte hinausreicht. Auf struktureller Ebene zeigt sich eine stabile Segmentation der Ausbildungsberufe nach schulischem Vorbildungsniveau, das heißt ein großer Teil der Berufe ist den Angehörigen der unteren Allgemeinbildungsstufen versperrt.
Insgesamt dauern die Einmündungsprozesse via Übergangs-"System" zu lang. Für die Mehrheit der Jugendlichen sind die Bemühungen um einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz selbst anderthalb Jahre nach Schulende immer noch nicht von Erfolg gekrönt.
Das Schulberufssystem expandiert
Der Bildungsbericht 2008 legt einen besonderen Fokus auf das Schulberufssystem, da dieser Bereich nach Ansicht der Autorinnen und Autoren bisher wenig transparent und in der öffentlichen Diskussion vernachlässigt worden ist. Für eine wachsende Zahl von vor allem weiblichen Jugendlichen ist das Schulberufssystem jedoch die einzige Perspektive für eine Ausbildung.
Unklarheiten bleiben über das Niveau der einzelnen Berufe. Es scheint, dass zu heterogene Anforderungsniveaus im Schulberufssystem unter einem Dach vereint sind. Zugleich fehlt es an Transparenz über die individuellen Voraussetzungen, welche die Bewerberinnen und Bewerber mitbringen müssen.
Forderungen für den Übergang
Für die Autorinnen und Autoren des Bildungsberichtes 2008 ist die Qualitätsentwicklung im Bildungswesen mindestens so wichtig wie der quantitative Ausbau zur
Die bisherige Effektivität der Maßnahmen des Übergangsbereichs wird in Frage gestellt. Ein Maßstab zur Beurteilung der Effektivität wären die in den Maßnahmen vermittelten Kompetenzen. Hier müssten laut Bildungsbericht zunächst die Voraussetzungen für eine höhere Transparenz der Lernprozesse geschaffen werden.
Weiterhin wird die Möglichkeit, einen Schulabschluss nachträglich im Rahmen der beruflichen Ausbildung zu erwerben, positiv beurteilt. Zwischen 1996 und 2006 hat sich der Anteil der nicht im allgemeinbildenden Schulwesen erworbenen Hauptschulabschlüsse von 12,1 auf 13,5 Prozent erhöht.
Aus der Steuerungsperspektive betrachtet, sollte die Ausweitung "institutioneller Gelenkstellen" eingeschränkt werden. Wenn den Betroffenen noch häufigere und noch schwierigere Entscheidungssituationen abverlangt werden, trägt dies zu weiteren Benachteiligungen einzelner Gruppen der Gesellschaft bei, insbesondere zu einer Verfestigung sozialer Ungleichheit.
Entscheidend ist sicherlich auch, dass die Maßnahmen des Übergangs-"Systems" mit den vorherigen schulischen und den nachfolgenden ausbildenden Einrichtungen besser verknüpft werden. Damit wären sie konzeptionell besser zu strukturieren, transparenter und besser nutzbar zu machen.
Die Daten des Bildungsberichts 2008 müssen insgesamt zu einer kritischen Bewertung der Übergangsmaßnahmen führen: Mit viel Zeit- und Personaleinsatz wird zwar der Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Ausbildungsperspektive vermittelt, für die andere Hälfte bleibt bisher jedoch aller Zeit- und Lernaufwand vergeblich.
Und das vor diesem demographischen Hintergrund: Selbst wenn alle, die jetzt eingeschult werden, in zwanzig Jahren erwerbstätig wären, würde dies nicht ausreichen, um die dann in Rente gehenden Personen zu ersetzen. Zur Zeit sind sogar nur 60 Prozent der 25- und 26-Jährigen erwerbstätig.
Letzte Änderung: 23.05.2011 eMail-direkt » Seite empfehlen »
ufholz.bernhard@f-bb.de
Was ich nicht verstehe: warum halten beispielsweise der Bayerische Ministerpäsident Günther Beckstein und sein Kultusminister Siegfried Schneider so vehemant an der Hauptschule fest, wenn doch deutlich wird, dass Wirtschaft und Gesellschaft die Hauptschüler nicht wollen?
Und warum kann es sich das "System Schule" leisten, so viel "Ausschuss" zu produzieren. Warum verlassen so viele junge Menschen die Schule, ohne ausbildungsreif zu sein? Warum kann sich die Schule hinstellen und behaupten, sie hätte alles richtig gemacht?
Friedel Schier am 22.08.2008 09:22
Hallo
ich glaube, das Problem sind nicht die Schulen oder die Lehrer oder die Kultusverwaltung - auch wenn diese alle Verantwortung für die Schülerinnen und Schüler tragen müssten.
Das Problem sehe ich in der zersplitterten Nicht-Zuständigkeit mit dem Effekt, dass im Zweifel niemand zuständig ist.
Dieser Niemand ist der Sündenbock und damit kann jede/r beruhigt wieder in ihr/sein Gehege zurückgehen und ihre/seine Arbeit tun.
F.Schier
Erstellt am: 18.06.2008 Kommentare hinzufügen »
Bildungsserver:
Dossier zum Bericht "Bildung in Deutschland 2008"
Der mühsame Weg in den Beruf
Mitteilungen aus dem SOFI Juli 2008