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Im Rahmen des Bundesprogramms "Kompetenzen fördern - Berufliche Qualifizierung von Zielgruppen mit besonderem Förderbedarf" wurde im Bundesinstitut für Berufsbildung im Winter 2001/2002 eine Initiativstelle für die berufliche Qualifizierung von Migrantinnen und Migranten eingerichtet.
Wozu eine Initiativstelle für die Förderung der beruflichen Qualifizierung von zugewanderten Menschen?
Trotz Verbesserung der schulischen Bildungsabschlüsse haben sich die Chancen Jugendlicher mit Migrationshintergrund auf den Abschluss einer Berufsausbildung in den letzten Jahren verschlechtert. Dabei stellt sich das Bild je nach Herkunftsland, Geschlecht und Wirtschaftsbereich unterschiedlich dar. So finden in nur 10 Berufen 43% der Jugendlichen den Weg zu einem Berufsabschluss. Die Anteile an innovativen und zukunftsträchtigen Berufen liegen weit unter den Quoten am Bevölkerungsanteil. Jugendliche mit Migrationshintergrund sind schwerpunktmäßig in Berufen vertreten, die schlechte Arbeitsbedingungen, niedrigen Lohn und geringe Aufstiegschancen bieten. 33% erlangen gar keinen Abschluss gegenüber 8% in der deutschen Bevölkerung.
Diese Situation kann nicht auf eingeschränkte Berufswünsche oder mangelndes Engagement bei der Ausbildungsplatzsuche zurückgeführt werden. Sie scheint eher eine Folge von Zugangsbarrieren und ungünstigen Rahmenbedingungen zu sein.
Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung, die eine Steigerung des Anteils von Menschen mit Migrationshintergrund an der erwerbsfähigen Bevölkerung zur Folge haben wird, sind intensive Anstrengungen für einen qualifizierenden Zugang zum Arbeitsmarkt für diese jungen Menschen zu gewährleisten.
Neben diesen schwierigen Ausgangsbedingungen für junge Menschen zeigt sich ebenso Handlungsbedarf bei Erwachsenen mit Migrationshintergrund. Der Anteil von Personen mit niedrigem Qualifikationsniveau liegt bei den Erwachsenen mit Migrationshintergrund mehr als doppelt so hoch wie bei Deutschen. Sie sind primär in den produzierenden Bereichen der Wirtschaft tätig. Hier findet zugleich der stärkste Abbau von Arbeitsplätzen statt und die Anreicherung von sehr einfachen Tätigkeiten mit negativen Folgen für Geringqualifizierte.
Der Mangel an Zugangswegen zu Weiterbildungsangeboten ist ursächlich für den steigenden Anteil an den Arbeitslosen dieser Bevölkerungsgruppe und ihrem hohen Anteil an den Geringqualifizierten in Deutschland.
Die zunehmende Selbständigkeit von Migrantinnen und Migranten in den vergangenen 15 Jahren reicht immer noch nicht an die Quote der deutschen Bevölkerung heran und ist zum Teil auch als riskante Ausweichreaktion auf drohende Arbeitslosigkeit zu sehen, die auf einer geringen ökonomischen und qualifikatorischen Basis stattfindet.
Trotz dieser Ausgangssituation für Personen mit Migrationshintergrund gibt es eine Vielzahl guter Beispiele, denen es gelungen ist, sich auf der Basis einer beruflichen oder akademischen Qualifikation Voraussetzungen für eine ökonomische und soziale Integration zu schaffen. Sie gilt es aufzugreifen für eine strukturelle Weiterentwicklung und für die Motivation der Zielgruppe zu nutzen.
Welche Inhalte sind mit dem Bundesprogramm verbunden?
Das Bundesprogramm: "Kompetenzen fördern - Berufliche Qualifizierung von Zielgruppen mit besonderem Förderbedarf", initiiert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, geht davon aus, dass die Zukunft unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft nur gesichert werden kann, wenn wir alle vorhandenen Qualifizierungspotenziale erschließen und entwickeln. "Ausbildung für alle" ist deshalb eines der wichtigsten Ziele der Bildungs- und Berufsbildungspolitik. Damit sind auch diejenigen jungen Menschen gemeint, die unter schlechteren Bedingungen ihren Weg in Ausbildung und Beruf antreten müssen. Noch zu viele der Jugendlichen mit Lernbeeinträchtigungen und sozialen Benachteiligungen schaffen es nicht, eine anerkannte Berufsausbildung aufzunehmen bzw. erfolgreich abzuschließen. Dabei zeigt sich deutlich, dass unter den ,Ausbildungs- bzw. Berufslosen' Jugendliche ausländischer Herkunft überproportional vertreten sind.
Dieser Situation entgegenzuwirken, ist eine besondere Herausforderung, die sich in einem der Themenschwerpunkte des Bundesprogramms widerspiegelt.
Folgende vier Innovationsbereiche sind in dem Programm ausgewiesen:
· Weiterentwicklung der Förderstrukturen mit dem Ziel "Förderung aus einem Guss"
· Verbesserung der Bildungsträgerqualität und Intensivierung der Kooperation zwischen beteiligten Akteuren
· Initiativen im Präventionsbereich / Übergang von der Schule in den Beruf
· Verbesserung der beruflichen Qualifizierung von Migrantinnen und Migranten
Mit diesen Zielen unterstützt das Programm die Umsetzung der Beschlüsse des Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit zur Benachteiligtenförderung und zur Aus- und Weiterbildung von Migrantinnen und Migranten.
Durch das Programm sollen Initiativen mit dem Ziel gefördert werden, zu einem gut strukturierten, transparenten und damit leistungsfähigen und verlässlichen Fördersystem zu kommen. Alle förderbedürftigen jungen Menschen sollen erreicht und ihrem jeweiligen Förderbedarf entsprechend unterstützt werden.
Die Umsetzung des Innovationsbereichs 4 wurde der IBQM im BIBB übertragen.
Welche Ziele und Aufgaben übernimmt hierbei die IBQM?
Aufgabe der IBQM ist die Verbesserung der beruflichen Qualifizierung von Migrantinnen und Migranten. Dabei bezieht sie sich auf alle Segmente der beruflichen Qualifizierung, angefangen bei der Berufsorientierung und Berufsvorbereitung im Übergang von der Schule in die Berufsausbildung, über die Angebote von ausbildungsbegleitenden Hilfen und außerbetrieblicher Berufsausbildung, bis zu den regulären Angeboten betrieblicher Berufsausbildung. Das Projekt richtet sich ebenso an innerbetriebliche wie außerbetriebliche Angebote im Bereich der beruflichen Weiterbildung und greift Fragen der Einstellungs- und Rekrutierungsverfahren auf. Daneben zielt es auf die Ausweitung von Initiativen interkulturellen Lernens in der Berufs- und Arbeitswelt. Die Förderung der Sprachkompetenz in der deutschen und in der Herkunftssprache versteht IBQM als Querschnittsaufgabe.
Ein besonderer Schwerpunkt ist die Initiierung von lokalen und regionalen Beratungsstellen für Qualifizierung zugewanderter Nachwuchskräfte (BQN). In den kommenden Jahren sollen bundesweit mindestens 10 lokale und regionale Beratungsstellen (BQN) für die Qualifizierung von Migrantinnen und Migranten eingerichtet werden.
IBQM will bundesweit alle Berufsbildungsakteure für die Notwendigkeit der beruflichen Qualifizierung von Migrantinnen und Migranten sensibilisieren und Konzepte, Projekte und Initiativen auf diesem Gebiet anregen.
Damit soll der Zugang von Migrantinnen und Migranten zur beruflichen Bildung erleichtert werden und der Informationsstand über Qualifikationsangebote bei Auszubildenden, Lehrenden und Multiplikatoren erhöht werden.
Neben den strukturpolitischen Initiativen der IBQM obliegt ihr die konzeptionelle Entwicklung der Beratungsstellen, die Herausgabe von Lehr- und Lernmaterialien sowie Leitfäden und Informationsmaterialien für Multiplikatoren. Schließlich sollen Forschungs- und Entwicklungsprojekte und lokale Aktivitäten initiiert und die Kooperation auf Bundesebene nachhaltig unterstützt werden.
Hierfür arbeitet IBQM auf der Bundesebene eng mit den zuständigen Ministerien, den Sozialpartnern, den Selbstorganisationen der Migrantinnen und Migranten, den Verbänden der Träger und der Kammern sowie mit einschlägigen Forschungseinrichtungen zusammen.
Die Realisierung und Durchführung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten zur Verbesserung der beruflichen Qualifizierungsmöglichkeiten von Migrantinnen und Migranten im Rahmen des Bundesprogramms erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem DLR-Projektträger des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Das Good Practice Center zur Förderung von Benachteiligten in der beruflichen Bildung (GPC) im Bundesinstitut für Berufsbildung unterstützt den Transfer und die Öffentlichkeitsarbeit.
Franz Schapfel-Kaiser
Letzte Änderung: 25.05.2011 eMail-direkt » Seite empfehlen »
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Erstellt am: 19.12.2001 Kommentare hinzufügen »