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Integration über Sprache

Gute Kenntnisse in der Landessprache sind die entscheidenden Voraussetzungen für Migrantinnen und Migranten, um Bildungschancen und Erfolg auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Dies belegt die Studie "Migration, Sprache und Integration" des Mannheimer Soziologen Prof. Hartmut Esser.

Im Mittelpunkt der Studie steht die Bedeutung der Sprache für die Integration von Migrantinnen und Migranten. Ausgangspunkt ist die These, dass Defizite in der Beherrschung der jeweiligen Landessprache maßgeblich zur Entstehung und Verfestigung von ethnischen Schichtungen beitragen.


Die zentralen Aussagen der Studie:


Sprache ist der Schlüssel zur Integration
Die Sprache erfüllt im Prozess der individuellen sowie der gesellschaftlichen Integration mehrere Funktionen: Sie ist Medium der alltäglichen Kommunikation, aber auch eine Ressource, insbesondere bei der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt. Sprachliche Kompetenzen in der jeweiligen Landessprache eröffnen den Zugang zu Bildung und Einkommen, zentralen Institutionen, gesellschaftlicher Anerkennung sowie sozialen Kontakten.

Der Erwerb der Landessprache als Zweitsprache wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst:

  • Besonders hervorzuheben sind das Einreisealter und die Aufenthaltsdauer im Einwanderungsland sowie für die Kinder das Einreisealter und die Sprachfertigkeiten der Eltern. Eine höhere Bildung der Migrantinnen und Migranten selbst bzw. ihrer Eltern begünstigt das Erlernen der Zweitsprache erheblich.
  • Kinder im Alter bis zu 10 bis 12 Jahren lernen die Sprache des Aufnahmelandes leichter; Erwachsene können ein hohes sprachliches Niveau nur mit besonderem Aufwand und nur bei ausgeprägter Motivation erreichen.
  • Besonders nachteilig auf den Zweitspracherwerb wirken sich vor allem starke ethnische Konzentrationen im Wohnumfeld, binnenethnische Kontakte und Kommunikationsmöglichkeiten in der Herkunftssprache im Wohnumfeld sowie Medienkontakte mit der Herkunftsgesellschaft aus.


Bildungserfolg hängt zentral von guten Kenntnissen der Landessprache ab
Sprachliche Kompetenzen beinflussen Schulleistungen sowohl direkt als auch indirekt.

Für die schulischen (Sprach-)Leistungen und den Bildungserfolg sind im Wesentlichen die gleichen Bedingungen ausschlaggebend wie für den Erwerb der Zweitsprache: Einreisealter, Bildungsstand der Eltern, ethnischer Kontext.

Besonders ungünstig auf die Leistungen der Kinder und Jugendlichen wirkt es sich aus, wenn in den Schulklassen große Anteile von Schülerinnen und Schülern sind, die die Landessprache nicht ausreichend beherrschen.
Zusätzliche Kompetenzen in der Herkunftssprache haben keinen erkennbaren Einfluss auf die Schulleistungen. Auch wird durch die empirische Forschung bislang nicht bestätigt, dass Programme der bilingualen Erziehung sich nachhaltig positiv auf das Erlernen der Landessprache bzw. die schulischen Leistungen auswirkt.

Kenntnisse der Landessprache bestimmen die beruflichen Chancen
Umfassende Kompetenzen in der Landessprache sind für die Integration von Migrantinnen und Migranten auf dem Arbeitsmarkt neben den zentralen Faktoren des (Aus-)Bildungsniveaus und der Berufserfahrung von überragender Bedeutung.

Defizite in der Landessprache verringern die Chancen auf Beschäftigung deutlich und sind mit merklichen Einkommensabschlägen verbunden.
Dies gilt um so mehr, je stärker der Kommunikations- und Abstimmungsanteil der Tätigkeit ist  und insbesondere dann, wenn die Herkunftssprache keinen hohen Verwendungswert auf dem Arbeitsmarkt hat.

Bei unzureichenden Kompetenzen in der Landessprache können auch durchaus vorhandene und wertvolle eigene Kenntnisse und Berufserfahrungen kaum genutzt werden.
Auf der anderen Seite verstärken sich für die Arbeitsmarktintegration förderliche Bedingungen - etwa ein höherer Bildungsstand und eine kompetente Beherrschung der Landessprache - wechselseitig.

Zur beruflichen Schlechterstellung von Migrantinnen und Migranten tragen unter Umständen auch Diskriminierungen durch die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber bei, die aus Unsicherheit die beruflichen Fähigkeiten der Bewerbenden unterschätzen und diese deshalb nicht einstellen. Darüber hinaus halten sich Bewebende bei der Nachfrage nach Arbeit zurück, wenn sie über sichere Alternativen in eigenethnischen Nischenökonomien verfügen und in exklusive ethnische Netzwerke eingebunden sind.

Bilinguale Kompetenzen von Migrantinnen und Migranten, also die zur Sprache des Aufnahmelandes zusätzliche Beherrschung der Muttersprache, sind für den Bildungserfolg und für die Positionierung auf dem Arbeitsmarkt weitgehend irrelevant. Anders ist dies lediglich in Bezug auf spezielle Arbeitsmarktsegmente sowie allgemein bei Englischkenntnissen.


Ethnische Ressourcen sind für Bildung und Arbeitsmarkterfolg fast bedeutungslos

Insgesamt belegen die empirischen Untersuchungen eine überragende Bedeutung der kulturellen Vorgaben des jeweiligen Aufnahmelandes für die Integration, und zwar in allen drei Bereichen: Sprache, Bildung und Arbeitsmarkt. Eine besondere Bedeutung ethnischer Ressourcen für die strukturelle Integration der Migrantinnen und Migranten, wie beispielsweise die Beibehaltung der Muttersprache, die Bilingualität oder die Verfügung über ethnische Netzwerke, konnte nicht festgestellt werden. Nach Esser ist es vielmehr so, dass stärkere ethnische Bindungen und exklusive binnenethnische Beziehungen die Integration eher behindern. Allenfalls vermögen sie bestehende Nachteile zu mildern, nämlich dann, wenn die jeweiligen Gruppen, ethnischen Enklaven und Märkte groß genug sind.

Quelle:

www-Link  Studie: Migration, Sprache und Integration (PDF, 1 MB)

Letzte Änderung: 23.05.2011 eMail-direkt »       Seite empfehlen »

Kommentare

Salim Samai

Die Sprache Ausredung (excuse) ist den ewigen Grund für den Mangel POLITISCHE WILLE in der Frage der "Ausländer" in Deutschland.
Man soll ein EHRLICHE DIAGNOSE TUN um eine Krankheit zu heilen.

Die Sprache ist ZENTRAL! Jedoch die Problematik ist das UMDENKEN von Jus Sanguinis nach Jus Solis......in der PRAXIS und im Gesetz.
Übrigens....ich arbeite für AMERIKANERN in Deutschland.
Hier ist die Problematik!

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Erstellt am: 28.03.2006 Kommentare hinzufügen »