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Behinderte Kinder haben das Recht, eine Regelschule zu besuchen. Dies gilt seit dem Inkrafttreten der UN-Konvention für die Rechte Behinderter im März 2009. Demnach soll das Sonderschulwesen schrittweise abgebaut werden. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zu den Ausgaben und zur Wirksamkeit von Förderschulen in Deutschland bekräftigt die Forderung nach gemeinsamem Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern.
Die seit Anfang 2009 verbindliche UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen fordert auch für Deutschland, schulische Bildung möglichst inklusiv zu gestalten. Inklusion bedeutet alle Kinder gemeinsam zu unterrichten. Ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen soll gemeinsames Lernen und Aufwachsen ermöglichen und so auch Ausgrenzungen und Benachteiligungen in unserer Gesellschaft verhindern.
Die Studie "Sonderweg Förderschulen: Hoher Einsatz, wenig Perspektiven" von Prof. Klemm unterstützt den Aufruf zum inklusiven Lernen. Sie ist Teil des Projekts "Folgekosten unzureichender Bildung" der Bertelsmann Stiftung. Insgesamt sollen Kosten errechnet werden, die durch unzureichende Bildung auf die Gesellschaft zukommen.
77 Prozent der Förderschüler erreichen keinen Hauptschulabschluss
In Deutschland werden 400.000 Schülerinnen und Schüler in einem hochdifferenzierten Förderschulsystem unterrichtet. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Bundesländer 2,6 Milliarden Euro pro Jahr für zusätzliche Lehrkräfte an Förderschulen ausgeben. Davon entfallen circa 800 Millionen Euro auf die rund 180.000 Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Die übrigen 1,8 Milliarden Euro gehen in die Förderung von 221.000 Kindern und Jugendlichen mit anderen Förderschwerpunkten. Flüchtig betrachtet erscheint dies wenig aufsehenerregend: Kinder und Jugendliche bekommen in Förderschulen eigens auf ihren Bedarf zugeschnittenen Unterricht mit gut ausgebildetem pädagogischen Fachkräften.
Nachdenklich jedoch stimmt die Tatsache, dass trotzdem 77 Prozent der Förderschülerinnen und -schüler ohne Hauptschulabschluss bleiben. Nur ein Bruchteil von ihnen schafft den Sprung zurück auf eine allgemeinbildende Schule. Die Leistungen von Schülerinnen und Schülern mit dem Förderschwerpunkt Lernen entwickeln sich ungünstiger, je länger sie auf der Förderschule bleiben. Dagegen erzielen Kinder mit besonderem Förderbedarf beim Lernen, die gemeinsam mit Kindern ohne Förderbedarf lernen, im Vergleich deutlich bessere Lern- und Entwicklungsschritte. Letztere profitieren auch vom gemeinsamen Unterricht, indem sie höhere soziale Kompetenzen entwickeln, ohne dass sich ihre fachbezogenen Schulleistungen verschlechtern.
Im internationalen Vergleich beschreitet Deutschland mit seinem hochdifferenzierten Förderschulsystem einen Sonderweg. In Italien, Spanien und Skandinavien werden fast alle Kinder mit Förderbedarf in allgemeinbildenden Schulen unterrichtet. In Deutschland erhalten nur 15 Prozent einen solchen inklusiven Unterricht; knapp 85 Prozent gehen in einer Sondereinrichtung zur Schule.
Individuelle Förderung, aber keine Separation
Enorme Unterschiede gibt es auch zwischen den Bundesländern. Während in Bremen 44,9 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf den gemeinsamen Unterricht an allgemeinen Schulen besuchen, sind es in Niedersachsen nur 4,7 Prozent. Die Frage hierbei ist: Was ist der bessere Ansatz für die Kinder und Jugendlichen mit Förderbedarf?
Kinder brauchen für die Entwicklung und Entfaltung ihres Potenzials Kontakt zu anderen Kindern, egal ob sie Lernschwierigkeiten haben oder nicht. Ein weitgehend inklusives Schulsystem mit einer bestmöglichen Förderung für jedes einzelne Kind sollte daher das Leitbild für die Bildungspolitik sein.
Sicherlich kann der Übergang zu einem inklusiven Schulsystem nicht von heute auf morgen erfolgen, denn Veränderungen sind auf allen Ebenen notwendig. So müssen schließlich Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Schulleitungen in diesen Prozess einbezogen werden.
Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse muss die Wirksamkeit der Förderung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischen Förderbedarf in separierenden Förderschulen hinterfragt werden. Die bisher für separierende Förderschulen aufgewendeten Mittel sollten in ein inklusives Schulsystem investiert werden, das die Individualität und Vielfalt der Schülerinnen und Schüler wertschätzt und individuelle Förderung in den Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit stellt, so die Bertelsmann Stiftung.
Die Bertelsmann-Studie (PDF, 632 KB)
Die UN-Konvention (PDF, 137 KB)
Letzte Änderung: 11.01.2012 eMail-direkt » Seite empfehlen »
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Erstellt am: 24.11.2009 Kommentare hinzufügen »

Bertelsmann-Studie zur Effizienz von Förderschulen (PDF, 632 KB)
Kritische Stellungnahme:
Verband für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik (VBS), Offener Brief zum Gutachten "Sonderweg Förderschulen" (Word-Datei, 174 KB)